Pamukkale Hierapolis

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Die antike Stadt Hierapolis, die am Ursprung dieser den Menschen von der Natur geschenkten Thermalquelle gegründet wurde, weist in gleichem Masse ein reichhaltiges natürliches und historisches Erbe auf. Die nur 20 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Denizli gelegene historische Stätte versetzt mit ihren zahlreichen Bauten und Kunstwerken, die archäologische Grabungen ans Tageslicht gebracht haben, ihre Besucher ins Erstaunen.

Die folgenden Worte des archäologischen Grabungsleiters Prof. Francesco D’Andria bringen die Schönheit von Hierapolis vortreffl ich zum Ausdruck: Die Stadt Pamukkale verdankt ihren Namen – er bedeutet „Baumwollburg“ – den weissen Kalkablagerungen, die von den heissen Thermalquellen stammen. Die Reisenden des 18. Jahrhunderts nannten diesen Ort Pambouk-Burg und meinten damit die Tausenden von Sarkophagen, die über die Ebene verteilt sind. In dieser atemberaubenden Lage befi nden sich die Überreste einer der antiken Städte Anatoliens, der heiligen Stadt Phrygia Hierapolis’. Ausgrabungsund Restaurationsarbeiten in den vergangenen Jahren haben die Spuren eines der berühmtesten Siedlungszentren Kleinasiens ans Tageslicht gefördert. Über eine Million Besucher, die jedes Jahr hierher kommen, möchten die Pracht entdecken, von der einst der Schriftsteller Aelius Aristides in seiner „Rede auf Rom“ (2. Jh. n. Chr.) sagte: ‚Das gesamte Reich ist mit Gymnasien, Quellen, Tempeln, Werkstätten und Schulen übersät...seine Städte glänzen in prachtvoller Schönheit.‘“

Die antike Stadt Hierapolis in ihrer Blütezeit

Hierapolis wird aufgrund der zahlreichen Tempel und Sakralbauten auch als „heilige Stadt“ bezeichnet. Der Geographen der Antike, Strabon, und Ptolemaios haben überliefert, dass Hierapolis, das in der Nähe der Städte Laodikeia und Tripolis an der Grenze zu Karien liegt, eine phrygische Stadt war. Forschern zufolge reicht die Siedlungsgeschichte der Stadt in eine Zeit zurück, in der der Göttin Kybele gehuldigt wurde – damals hiess sie noch nicht Hierapolis.

Werden Sie Zeuge der prachtvollen Baukunst von Hierapolis

Diese äusserst prachtvolle Strasse (aus dem 1. Jh. n. Chr.) war die Hauptstrasse der Stadt und ist 14 Meter breit. Eine Besonderheit der Strasse ist das mit Monolithen abgedeckte Abwassersystem, das sich unter ihr befi ndet. In der einst bedeutenden Handelsstadt säumten Geschäfte, Lager- und Wohnhäuser beidseitig diese Strasse – auf einem 170 Meter langen Abschnitt, der bis zum Byzantinischen Tor reichte.

Dieses Areal mit Wohnhäusern, Werkstätten und der Nekropole der Stadt wurde nach dem verheerenden Erdbeben im Jahre 60 n. Chr. neu gestaltet und entwickelte sich zur Agora, dem Zentrum von Kultur und Handel von Hierapolis. Bei Ausgrabungen wurden runde Brennkammern und Keramiköfen sowie Gefässe mit Reliefdarstellungen (2./1. Jh. v. Chr.) entdeckt. Mit ihren Massen von 170 Metern Breite und 280 Metern Länge zählt die Agora von Hierapolis zu den grössten in Kleinasien. Heute ist dieser Platz, der durch wissenschaftliche Ausgrabungen wieder ans Tageslicht gebracht wurde, ein beliebtes Ziel interessierter Besucher.

Nördliches byzantinisches

Tor In der byzantinischen Epoche bildete das nördliche Stadttor als Teil des Stadtmauerrings den monumentalen Eingang zur Stadt. Dieses symmetrisch zum südlichen Tor errichtete Tor wurde aus Baumaterialien erbaut, die aus Ruinen stammten, und mit zwei Türmen mit quadratischem Grundriss versehen. Der schmale Bogen, der über den tragenden Architraven des in das 4. Jahrhundert n. Chr. datierten Tores errichtet wurde, ist mit Kreuzmotiven verziert. Die vier bis heute erhalten gebliebenen Konsolen auf beiden Seiten der Tores sind besonders eindrucksvoll: Zum Schutz der Stadt sind sie mit Darstellungen von Löwenund Pantherköpfen verziert; ausserdem verleiht ihnen die Darstellung der Gorgonen mit ihren Schlangenhaaren aus der griechischen Mythologie einen abschreckenden Ausdruck.

Südliches byzantinisches Tor

Dieses Bauwerk aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., das durch ein harmonisches Zusammenspiel von Travertinblöcken und Marmor besticht ist, wurde ebenfalls aus Baumaterial aus Ruinen erbaut. Das Tor grenzt an zwei Türme mit quadratischem Grundriss und wird von einem tragenden Bogen überspannt.

Gymnasion

Dieses Gebäude wurde nach dem Erdbeben, das Hierapolis im 1. Jahrhundert n. Chr. heimsuchte, vermutlich zeitgleich mit dem Apollotempel und der Frontinus-Strasse errichtet. Wissenschaftliche Forschungen beziehen sich auf das Fragment eines Architravs, aus dessen Inschrift hervorgeht, dass es sich bei dieser Ruine um ein Gymnasion handelt, das einst über einen Säulengang verfügte. Man geht davon aus, dass ein grosser Innenhof von einem Wandelgang umgeben war. Aufgrund seiner architektonischen Eigenschaften wird angenommen, dass das Gymnasion im Rahmen des Wiederaufbaus von Hierapolis (1. Jh. n. Chr.) errichtet wurde.

Triton-Quelle

Dieses Bauwerk ist eins von zwei monumentalen Brunnenbauten in Hierapolis und wurde in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. errichtet. Das Bauwerk bestand aus einem etwa 70 Meter langen Bassin, das von Nischen umgeben war, in denen Götterstatuen aufgestellt waren. Der Namensgeber des Brunnens ist besonders interessant: Der griechischen Mythologie zufolge war Triton der Sohn des Poseidons, des Gottes des Meeres, und der Meeresnymphe Amphitrite. Er wird halb als Mensch, halb als Fisch mit Beinen, die denen eines Pferdes ähnlich sind, beschrieben. Archäologische Ausgrabungen haben die Architektur und die Dekoration des Bauwerks, dessen Bassin von Kalkablagerungen bedeckt war, wieder zu Tage gefördert. Als die interessantesten Elemente dieses Bauwerks gelten demnach Blöcke mit Amazonomachien (Darstellungen der Heldentaten der Amazonen) sowie ein Relief, das personifi zierte Quellen und Flüsse darstellt.

Latrine

Unter den Bauwerken in Hierapolis kann man alle Elemente des systematischen Städtebaus entdecken. Dieses bei einem starken Erdbeben zerstörte Gebäude hat einen langen und schmalen Grundriss und wurde über einen Eingang an der Seite betreten. Obwohl das Gebäude einen funktionellen Zweck erfüllt, verfügt es über eine besondere Ästhetik: Diese rührt von den Travertinblöcken her, die beim Bau verwendet wurden. Im Boden dieses länglichen Bauwerks war ein Kanal eingelassen, der das Abwasser zu dem unter der Strasse verlaufenden Kanalisationsnetz leitete. Die Innenwand entlang zog sich eine lange, mit Öffnungen versehene Bank, auf der man sein Geschäft verrichten konnte. Vor dem Abwasserkanal befand sich ausserdem ein weiterer, sauberes Wasser führender Kanal, der der körperlichen Hygiene diente.

Haus mit ionischem Säulenkapitell

Dieses durch seine besondere Architektur auffällige Gebäude befi ndet sich an einer Nebenstrasse, die einst zum Theater führte. Seine Marmorsäulen mit Kapitellen im ionischen Stil ragen eindrucksvoll empor. Es wird vermutet, dass dieses Haus, das ins 2. Jahrhundert datiert wird, einer aristokratischen Familie gehörte. Im 4. Jahrhundert wurde das Haus im grossen Stil umgebaut, ein Gästezimmer wurde hinzugefügt. Eine Inschrift auf einer Wand, die in die vorbyzantinische Zeit datiert wird, ist von besonderer Bedeutung: Forschungen haben ergeben, dass es sich dabei um eine religiöse Hymne handelt. Leider ist das Haus, das als wunderschön beschrieben wurde, bei einem Erdbeben in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts zerstört worden.

Wasserkanäle und Nympheum-Bauten

Die zwei Aquädukte, mit denen der Trinkwasserbedarf von Hierapolis gedeckt wurde, bestanden aus Kanälen, die das Wasser von den umgebenden Hügeln in Richtung Stadt leiteten. Diese im Norden (zwischen Pamukkale und Karahayıt) sowie im Osten (in Richtung Güzelpınar) verlaufenden Kanäle, vereinigten sich in einer Klärkammer, die auf einem Hügel östlich der Stadt errichtet worden war. Das hier gereinigte Wasser wurde mit Rohren aus gebranntem Ton in die Strassen und Häuser der Stadt geleitet.

Plutonium

Über die rechte Seite des Tempels gelangt man zum Plutonium. Zu sehen sind hier aus Marmor gebaute und mit Muschelmotiven verzierte Nischen sowie der Eingang durch die aus Travertin bestehende Fassade. Über dem Eingang ist ein rundes Pediment (1. Jh. n. Chr.) angebracht, das den heiligen Charakter des Gebäudes hervorhebt. Das Gebäude verfügt ausserdem über ein Podium, das mit gewundenen Astmotiven verziert ist. Am Eingang des Plutoniums kann man das Rauschen der unterirdisch verlaufenden Quellen vernehmen. Das historische Gebäude wurde abgesperrt, wegen der Gefahr die von dem unterhalb des Eingangs austretenden giftigen Gas ausgeht.

Apollo-Heiligtum

Der prächtigste heilige Platz von Hierapolis war dem Stadtgott Apollo geweiht. In der Mythologie ist Apollo der Gott der Sonne und der schönen Künste. Sein Vater war der Göttervater Zeus, seine Mutter Leto. Dieses ins 1. Jahrhundert n. Chr. datierte Bauwerk wurde im 3. Jahrhundert architektonisch weitgehend verändert. Die auf Terrassen angelegten heiligen Bereiche sind durch Treppen aus Marmor miteinander verbunden. Die unterste Terrasse erstreckt sich über eine grosse, von Marmorsäulen umgebene Fläche. Das auch als Podium bezeichnete Bauwerk in seiner Mitte wurde vermutlich zunächst als Tempel, danach als Orakelstätte verwendet. Antiken Quellen zufolge trat im Zentrum des Gebäudes ein giftiges Gas aus dem Boden. Der grosse Apollotempel zeichnet sich durch seine ionische Bauweise aus. Heute sind noch die Grundmauern des als „Zentrales Heiligtum“ bezeichneten Bauwerks zu sehen. Neuesten Forschungen zufolge befand sich in nördlicher Ausrichtung noch ein weiteres, drittes Gebäude.

Amphitheater

Das prächtige Theater von Hierapolis wurde zur Zeit des römischen Kaisers Septimius Severus im 3. Jahrhundert n. Chr. erbaut und bis in die spätrömische Zeit genutzt. Eine Besonderheit des Theaters stellen die Sitzbänke mit ihren hohen Lehnen und Löwenfüssen dar, die einst den bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt vorbehalten waren. Der Bühnenbau besteht aus einer grossen Bühne und einer weiträumigen Kulisse. Das Podium wird von einem dem Apollo und der Artemis geweihten Sims eingerahmt. Unter den antiken Bauten der Stadt ist das Theater mit seiner atemberaubenden Akustik bei den Besuchern besonders beliebt.

Stadtmauern

Wie alle Städte im Römischen Reich wurde auch Hierapolis aufgrund eines im Jahre 396 n. Chr. erlassenen Gesetzes mit einer Stadtmauer umgeben. Die heute nur noch teilweise erhaltenen Mauern erstreckten sich in nördlicher, südlicher und östlicher Richtung und verfügten über 24 eckige Türme. Neben den monumentalen, zur Hauptstrasse der Stadt führenden Toren im Norden und Süden gab es in der Stadtmauer noch zwei kleinere Tore.

Reliquium des heiligen Philippus

Dieses Gebäude gilt als wichtigstes christliches Sakralbauwerk von Hierapolis. Der Grund dafür liegt darin, dass hier die Reliquien des heiligen Philippus aufbewahrt werden. Das Gebäude wurde im 5. Jahrhundert n. Chr. vom Hofbaumeister von Konstantinopel errichtet. Die Architektur ist von der Symbolik der Zahl Acht geprägt. So verfügt das Gebäude über acht rechteckige Räume, die zum zentralen achteckigen Innenraum führen. An anderer Stelle des Gebäudes erkennt man achteckige Marmorblöcke. Diese sind mit christlichen Symbolen in Kreisen verziert. Die gesamte Kirche verfügt über einen viereckigen Grundriss, um den rundherum insgesamt 32 Kammern angeordnet sind.

Direkli-Kirche

Diese im Zentrum der Stadt gelegene Kirche wird in das 7. Jahrhundert datiert. Ihre dreischiffi ge Architektur, das Taufbecken und der Gottesdienstraum sind besonders erwähnenswert. Im Stadtkern gibt es ausserdem noch eine dreischiffi ge Kirche. Im Norden der Stadt befi nde sich weitere Kirchen, die nur eine Abside besitzen. Diese Bauwerke lassen auf die wichtige religiöse Bedeutung der Stadt und ihre Sonderstellung in der byzantinischen Zeit schliessen.

Nekropolen

Die Nekropolen (Friedhöfe) der Stadt sind beidseits wichtiger Strassen von Hierapolis angeordnet: im Norden die Strasse nach Tripolis und Sardes und im Süden diejenige nach Laodikeia und Collossae. Die Sarkophage, die sich hier befi nden, wurden meistens aus Marmor, zum Teil auch aus Kalkgestein hergestellt. Als Gräber dienten neben Sarkophagen auch Grabhügel und Grüfte-die Gruftbauten stellen die bedeutendsten Bauten der Nekropolen dar.

Domitian-Tor (Frontinus-Tor)

Dieses gut erhaltene Tor am nördlichen Ende der Stadt ist mit seinen beidseitig angeordneten Wehrtürmen und seinen drei Bögen besonders sehenswert. Das in die Jahre 82-83 n. Chr. datierte Tor ist dem Kaiser Domitian gewidmet.

Überreste der mittelalterlichen Seldschukenfestung

Diese Festung besteht aus einem System von Schutzmauern, das auf einer Ebene über dem Tal an strategisch wichtiger Stelle errichtet wurde. Die Mauern wurden mit dem Baumaterial aus der zerstörten Stadt erbaut; es gibt Blöcke in den Mauern, auf denen noch Inschriften zu erkennen sind. Bei Ausgrabungen im Festungskomplex wurden unterschiedliche architektonische Elemente entdeckt. Aufgrund der Untersuchungen und einer hier gefundenen Münze wird die Festung in die Zeit zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert datiert.

Badehaus-Basilika

Das in das 3. Jahrhundert n. Chr. datierte ehemalige Badehaus wurde im 5. Jahrhundert neu gestaltet und in eine dreischiffi ge Basilika umgewandelt. Architekturhistoriker haben festgestellt, dass das ehemalige Tonnengewölbe des Badehauses später durch drei Kuppeln ersetzt wurde.

Kathedrale

Die Kathedrale, ein weiterer wichtiger Sakralbau von Hierapolis, stammt aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Das Bauwerk verfügt über eine Taufkammer, ein Taufbecken, Gebetsräume für die Priester und Bischöfe und einen gesonderten Bereich für die weiblichen Gläubigen. Ein Teil der einstigen Architektur des Gebäudes hat die Zeit bis heute überdauert und so stellt es einen Anziehungspunkt für die Besucher dieser antiken Stätte dar.

Grosser Badehaus-Komplex – Römisches Bad

Dieses beeindruckende Gebäude, das sich über eine ausgedehnte Fläche erstreckt, trägt die typischen Merkmale römischer Bäderbauten. Das aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammende Gebäude verfügt im Eingangsbereich über einen grossen Innenhof, einen geräumigen rechteckigen Bereich, der beidseitig in zwei grosse Hallen mündet, sowie das eigentliche Badehaus. Ausserdem sind zwei weitere mächtige Hallen, die dem Kaiser und besonderen Anlässen vorbehalten waren, von besonderem Interesse. In den an die Hallen angrenzenden überdachten Bereichen ist heute ein Museum untergebracht, das seine Besucher mit seiner ganzen Pracht willkommen heisst.

Latrine Unter den Bauwerken in Hierapolis kann man alle Elemente des systematischen Städtebaus entdecken. Dieses bei einem starken Erdbeben zerstörte Gebäude hat einen langen und schmalen Grundriss und wurde über einen Eingang an der Seite betreten. Obwohl das Gebäude einen funktionellen Zweck erfüllt, verfügt es über eine besondere Ästhetik: Diese rührt von den Travertinblöcken her, die beim Bau verwendet wurden. Im Boden dieses länglichen Bauwerks war ein Kanal eingelassen, der das Abwasser zu dem unter der Strasse verlaufenden