Kappadokien Ihlara

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Die Ihlara-Schlucht verdankt ihre Entstehung den stark basalt- und andesithaltigen Lavamassen des mittlerweile erloschenen Vulkans Hasandağı. Nachdem diese abgekühlt waren, entstanden Risse im Gestein, in deren Folge das Gebiet zum Teil absackte. Das Flüsschen Melendiz, das sich seinen Weg durch diese Risse bahnte und der Schlucht ihr heutiges Erscheinungsbild verlieh, wurde einst Potamus Kapadukus genannt, was soviel wie „Fluss Kappadokiens“ bedeutet.

Die Ihlara-Schlucht erstreckt sich über 14 Kilometer von Ihlara bis nach Selime. Die Steilwände der Schlucht ragen teilweise 100-150 Meter hoch in den Himmel. Entlang der Schlucht sind zahllose Behausungen, Gräber und Kirchen zu sehen, die in den Stein gehauen wurden. Einige dieser Bauten sind wie die einzelnen Bereiche der unterirdischen Städte durch Tunnel miteinander verbunden. Wegen der geologischen Eigenschaften, der Abgeschiedenheit und der meditativen Stille dieser Schlucht war dieser Ort in der Vergangenheit Refugium für Mönche und Priester und bot zu Kriegszeiten und bei Belagerungen gleichzeitig Schutz und Unterschlupf.

Die Dekorationen der Kirchen im Ihlara- Tal weisen zeitgenössische Merkmale der Kirchenmalerei vom 6.-13. Jahrhundert auf. Die Kirchen in dieser Schlucht lassen sich anhand ihrer künstlerischen Gestaltung in zwei Gruppen unterteilen. Die in der Nähe von Ihlara erbauten haben weniger mit der kappadokischen Kunst gemein und weisen eher orientalische Einfl üsse auf. Die Kirchen in der Nähe von Belisırma dagegen sind mit Darstellungen byzantinischen Stils geschmückt.

Im Gebiet von Ihlara gibt es nur wenige Inschriften, die eindeutig in die byzantinische Zeit datiert werden können. In der Sankt Georg Kirche (Korkdamaltı), 500 Meter vom Dorf Belisırma entfernt, befi ndet sich dagegen ein Fresko aus dem 13. Jahrhundert, auf dem eine Inschrift mit den Namen des seldschukischen Herrschers Mesud II. (1282-1305) sowie des byzantinischen Kaisers Andronikos II. zu fi nden sind. Diese Inschrift zeugt von der Toleranz, welche die Seldschuken, die einstigen Herrscher dieses Gebietes, den unterschiedlichen Religionen entgegenbrachten.

In der Schlucht befi nden sich insgesamt 105 Kirchen. Unter den für den Besuch freigegebenen Kirchen sind zu nennen: Eğritaş Kirche, Daniel Kirche (Ağaçaltı), Hyazinthenkirche, Schlangenkirche, Kokar Kirche, Pürenliseki Kirche, Eskibaca Kirche, Sankt Georg Kirche (Kırkdamaltı), Säulenkirche (Direkli) und Ala Kirche.

Schlangenkirche (Yılanlı Kilise)

Diese Kirche ist für ihre besonders vielfältigen Fresken berühmt. Erbaut wurde sie im späten 9. Jahrhundert. Der Grundriss hat die Form eines Kreuzes, und sie verfügt über eine Gewölbebogendecke und eine Apsis. Insbesondere die in der Kapelle an der Nordwand gelegenen Grabstätten von Priestern sind erwähnenswert.

Das besondere Interesse der Besucher ziehen die Fresken an der Westwand der Kirche auf sich – mit Darstellungen von Sühneszenen mit Schlangenmotiven, denen die Kirche auch ihren Namen verdankt; sie stellen vier Frauen dar, die wegen unterschiedlicher Sünden von den Schlangen gebissen werden. Wegen der fehlenden Inschrift kann die erste Darstellung nicht genau zugeordnet werden. Auf den anderen Darstellungen wird eine Frau, die ihr Kind nicht gestillt hat, von den Schlangen in die Brust, eine Lügnerin in den Mund und eine ungehorsame Frau in die Ohren gebissen.

Sankt Georg Kirche (Kırkdamaltı)

Diese in den Jahren 1283-1295 erbaute Kirche gilt als höchste Kirche der Region und macht besonders mit ihren prächtigen Fresken auf sich aufmerksam. Neben biblischen Darstellungen ist eine Darstellung des seldschukischen Herrschers Mesud II. besonders erwähnenswert.

Kirchen In Der Klosterschlucht Güzelyurt

Güzelyurt ist eine endlos wirkende Landschaft von unvergleichlicher, natürlicher Schönheit, in der sich mitten drin, auf einer Höhe von 1770 Metern, stolz die Rote Kirche (Kızıl Kilise) erhebt. Diese bildet den Ausgangspunkt unserer hiesigen Wanderroute. In der 5,5 Kilometer langen Klosterschlucht ragen die Felswände beidseitig 50-150 Meter in die Höhe. In der Schlucht fl iesst als ständiger Begleiter ein von Weidenbäumen umrahmter Bach, der dem malerischen Idyll als Kulisse für unsere Wanderung das i-Tüpfelchen aufsetzt. Nachdem Sie die Kirchenmoschee, die grösste Kirche von Güzelyurt, erreicht haben, können Sie die direkt daneben liegende unterirdische Stadt bewundern. Die durch die Schlucht führende Route endet nach einer Umrundung des Güzelyurt-Teichs bei der Hohen Kirche (Yüksek Kilise).

Rote Kirche (Kızıl Kilise)

In der Nähe des zu Güzelyurt gehörenden Dorfes Sivrihisar befi ndet sich gegenüber den Melendizbergen auf einer weitläufi gen Ebene die Rote Kirche, die Gregorius von Nazianz (330-390), einem der drei kappadokischen Kirchenvätern, geweiht war. Die Kirche wurde gegen Ende des 6. Jahrhunderts aus rotschimmerndem Trachyt erbaut, deshalb bezeichneten sie die Einheimischen als Rote Kirche.

Klosterschlucht (Manastırlar Vadisi)

Die Klosterschlucht ist – wie die anderen Schluchten in der Region – durch das Aufreissen der erkaltenden basalt- und andesithaltigen Lavamassen des erloschenen Vulkans Hasandağı und durch die anschliessende Auswaschung und Absenkung des Bodens entstanden.

Diese Schlucht, die mit ihren Klöstern und Kirchen die Heimat zahlreicher Menschen war, bietet viele Beispiele der frühen christlichen Klostertradition. Gregorius von Nazianz, auch „Gregorius Th eologos“ genannt, machte Güzelyurt im 4. Jahrhundert zu seinem religiösen Zentrum; von hier aus verbreitete sich das Christentum über ganz Anatolien.

Die ersten in diesem Zusammenhang entstandenen Klosterbauten zeigen auf allerschönste Weise die Merkmale der damaligen Sakralbauten. Von den 28 Kirchen in dieser Schlucht sind 17 einschiffi g, 7 zweischiffi g und eine sogar dreischiffi g; eine Kirche hat einen freien, zwei weitere einen typisch griechischen Kreuzgrundriss.

Von den in Kappadokien vertretenen sieben Kirchen-Hauptformen sind allein in Güzelyurt fünf vertreten.

Als die wichtigsten Kirchen dieser Schlucht gelten die Grosse Kirchenmoschee (Büyük Kilise Camii), die Sivişli Kirche, das Predigerhaus (Papaz Evi), die Buckelkirche (Kambur), die Kohlenkirche (Kömür), die Hacı Saadet Koç Kirche, die Cafarlar Kirche, die Töpferkirche (Çömlekçi) und die Marienkirche, die allesamt byzantinischen Ursprungs sind und den Besuchern off en stehen.

Kappadokien war – neben seiner unvergleichlichen Landschaft – über die Jahrhunderte hinweg stets die Heimat unterschiedlicher Kulturen und verfügt daher über ein bedeutendes kulturelles Erbe.

Unsere nächsten Stationen auf unserer Reise durch Kappadokien sind der zweitgrösste Wasserfall der Welt, der atemberaubende Kapuzbaşı-Wasserfall, sowie das Vogelschutzgebiet Sultan Sazlığı.