Izmir Norden

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Menemen

Freundliches Gesicht des Töpferhandwerks

Es wird vermutet, dass die antike Stadt Larissa, deren Überreste neben dem Dorf Buruncuk im Kreis Menemen gefunden wurden, zu den 12 ionischen Städten gehörte. Die Stadt, die bereits unter den Lydern und den Persern bestand, wurde im Peloponnesischen Krieg vollständig zerstört. Nach einem Wiederaufbau wurde sie später durch die Galater heimgesucht und geplündert.

Bei den seit 1902 andauernden Ausgrabungen wurden die Überreste der von einer Stadtmauer umgebenen Stadt ans Tageslicht gebracht. Von der ca. 700 v. Chr. gebauten Akropolis blieben nur die Stadtmauern erhalten. Alle aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. stammenden Sakralbauten wurden mittlerweile ausgegraben. Die Fundstücke aus der archaischen Zeit werden im Archäologischen Museum von İzmir, einige Funde aus Ton und Keramik hingegen im Archäologischen Museum von Istanbul ausgestellt.

Im Dorf Kesik in Menemen finden Sie Überreste von Gräbern aus ca. 2000

v. Chr. sowie Ruinen der Mykener, aus der archaischen Zeit, der Zeit der Herrschaft Alexanders des Grossen und seiner Generäle sowie Gräber aus römischer und islamischer Zeit.

Foça

Heimat der Mittelmeerrobbe

Die Wahrzeichen der schon bei Homer erwähnten Stadt Foça, des antiken Phokaia, sind Hahn und Robbe. Die an der Küste gelegene Hafenstadt gelangte im Jahre 546 unter die Herrschaft der Perser und wurde zur Zeit Alexander des Grossen seleukidisches Reichsgebiet. Im 12. und 13. Jahrhundert eroberten die Genuesen die Stadt; unter dem Sultan Mehmed II. dem Eroberer wurde sie 1455 osmanisch.

Bei Ausgrabungen in Foça gefundene Keramikgegenstände zeigen, dass die Siedlungsgeschichte der Stadt bis ins Jahr 2000 v. Chr. zurückgeht. Die im Zuge der Belagerung durch die Dorer um 1200 v. Chr. einsetzende ägäische Wanderung führte zur Niederlassung zahlreiche Völker im westlichen Kleinasien. Eines dieser Völker waren die Aioler, welche die Stadt Phokaia im 11. Jahrhundert gegründet haben sollen. Im 9. Jahrhundert liessen sich die Ionier in der Stadt nieder und befestigten sie mit einer fünf Kilometer langen Stadtmauer.

Die Besonderheiten der Natur und die Bauten, die Foça zu eine speziellen Ort machen, sind die folgenden: die Felsen der Sirenen, das Teufelsbad, das persische Grabmal, das aus einem einzigen Stein herausgehauen wurde und das sich 7 Kilometer von Foça entfernt an der Strasse nach İzmir befindet, die (genuesische) Burg Beş Kapılar, die Aussenfestung aus osmanischer Zeit, die Fatih Moschee, die Kayalar Moschee, die Hafız Süleyman Moschee und der osmanische Friedhof sowie die zahlreichen zivilen Bauten, die die typische ägäische Baukunst widerspiegeln.

Foça ist eine der seltenen Städte der Türkei, in der historische, natürliche und stadtgeschichtliche Werte derart dicht vertreten sind. Aus diesem Grund wurde die Stadt unter besonderen Umwelt- und Denkmalschutz gestellt.

Herodot, der „Vater der Geschichtsschreibung“, beschrieb Phokaia, das ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. eine rapide Entwicklung erfuhr, als „Stadt, die um 700 v. Chr. grosse Fortschritte in der Seefahrt machte und mit Galeeren mit 50 Ruderern und bis zu 500 Passagieren den Transport und den Handel im Mittelmeer ermöglichte“.

Homer zufolge unternahmen die Phokaiaer die bis dato längsten Seereisen; diese führten sie bis in die Adria, nach Etrurien, Iberien und Tartessos in Spanien. Als eine der 12 Städte des Ionischen Bundes unterhielt die Stadt Handelsbeziehungen nach Naukratis in Ägypten und vereinte seine Streitmacht mit der von Milet, was die Gründung der Städte Lampsakos (heute Lapseki) an den Dardanellen und der Stadt Amisos (Samsun) an der Schwarzmeerküste ermöglichte. Um 600 v. Chr. verfügte die Stadt ausserdem über Kolonien im südfranzösischen Massalia (Marseille), im katalanischen Emporiae (Ampurias), in Alalia (Aléria) auf Korsika, Elea (Velia) in Süditalien und in Methymna auf Lesbos.

Phokaia erhielt im 7. Jahrhundert v. Chr. eine besondere Bedeutung, weil es an der persischen Königsstrasse lag, die vom persischen Susa bis nach Sardes führte; wichtig war vor alle die Verbindung nach Ephesus und Smyrna.

Phokaia war die erste ionische Stadt, die Münzen aus einer Elektron- Legierung prägen liess. Auf der Vorderseite dieser Münzen waren Darstellungen von Zeus, Hera, Herakles und Hermes und auf der Rückseite als Gryphen bezeichnete mythologische Wesen mit Adlerkopf und Pferdeohren sowie Stier- oder Widderköpfe abgebildet.

Zu frühchristlicher Zeit war die Stadt Sitz des Bischofs des Verwaltungsbezirks Thrakesion im byzantinischen Reich.

In Foça ist das Wetter voll und ganz vom Mittelmeerklima geprägt: Die Winter sind niederschlagsreich und mild, die Sommer hingegen trocken. Die Stadt wird von drei Seiten mit kühlenden Meereswinden versorgt. Die durchschnittliche Lufttemperatur in den Sommermonaten beträgt 26 Grad, bei einer mittleren Wassertemperatur von 22 Grad. Die wärmsten Monate sind Juli und August.

Esskultur

Die traditionelle Küche von Foça umfasst die für die westanatolischen Küstengebiete und ägäischen Inseln typischen Gerichte. Darüber hinaus gibt es einige Spezialitäten, die mit verschiedenen Fischsorten, Meeresfrüchten, Oliven, Olivenöl, Artischocken und wilden Kräutern zubereitet werden: eine besondere Fischsuppe, Fischkopfsuppe, gefüllter Fisch, gegrillte Sardinen, gefüllter Tintenfisch, Lamm mit Artischocken, Fisch mit Joghurt und gefüllte Artischocken mit Olivenöl.

Aus den in Foça und Umgebung gedeihenden Kräutern, wie Fenchelgrün, Malve, Brennnesseln, Kardendistel und Rettichkraut, werden köstliche Salate, Vorspeisen und Füllungen für Teigwaren zubereitet.

Die Sirenen-Felsen

Die grösste der kleinen Felseninseln, die Foça vorgelagert und von weitem Robben ähneln, ist die Insel Orak. Homer erzählt in der Ilias von diesen Felsen als „Felsen, von denen aus die schönen Sirenen die Seefahrer mit ihrem Gesang irreleiten“.

Teufelsbad (Loutros)

Das an den Füssen des Can Dede Hügels gelegene Bauwerk in der Form eines Felsengrabs wird im Volksmund als Teufelsbad bezeichnet. Es ist zwei Kilometer vom Ortskern entfernt.

Kybele Freilichttempel

In den Ruinen des Athene-Tempels in Foça wurden 2600 Jahre alte, Gryphen und Pferde darstellende Statuen gefunden. In dem ins Jahr 580 v. Chr. datierten Tempel kann man heute noch in den Fels gehauene Nischen erkennen. Man vermutet, dass sich in einigen dieser Nischen einst Skulpturen der Hauptgöttin Kybele befanden, während andere als Ablage für Opfergaben von Gläubigen dienten, die vom Meer zurückkehrten.

Beş Kapılar Burg

Diese antike Burg schenkte der byzantinische Kaiser Michael VIII. Palaiologos im Jahre 1275 dem Genueser Manuel Zacharna. Daraufhin wurden mit der Zeit die Festungsmauern instand gesetzt. Nachdem Phokaia 1455 unter osmanische Herrschaft geraten war, wurden die Mauern erneut verstärkt und mit Türmen versehen, von denen heute noch neun zu sehen sind. Das Bootshaus der Beş Kapılar Burg dient heute als Freilichtmuseum.

Aussenfestung (Dış Kale)

Diese südwestlich von Foça gelegene, mit dem Namen Dış Kale oder Genueserburg bezeichnete Festung errichteten die Osmanen im Jahre 1678 an strategisch wichtiger Stelle, um die Meeresenge zu kontrollieren. Die auf einer Landzunge gelegene Burg ist auf der östlichen Seite zur besseren Verteidigung von einem grossen Wall umgeben.

Bei archäologischen Unterwasseruntersuchungen entdeckte man auf dem Meeresboden vor der Burg Geschosse; man geht davon aus, dass diese Kugeln von der Festung aus mit Katapulten auf feindliche Schiffe geschleudert wurden.

Hätten Sie’s gewusst? Die Lyder prägten die erste Metallmünze der Welt im Jahre 640 v. Chr. in der antiken Stadt Sart bei Manisa.