Izmir Alacati

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Alaçatı

Paradies für Surfer

Im 16. Jahrhundert war Çeşme das Handelstor Kleinasiens in den Westen. Insbesondere genuesische Händler liessen sich damals auf der Çeşme vorgelagerten Insel Chios nieder. Nachdem die Insel 1556 an die Osmanen fiel, wechselte die wirtschaftliche Vormachtstellung von Çeşme zur Stadt İzmir, wo bis dato nur mit Produkten aus dem westlichen Kleinasien gehandelt worden war. Nun wurde die in Bursa, der Seidenstadt Anatoliens, hergestellte Seide, die zuvor über Çeşme zur Insel Chios verschifft wurde, über İzmir gehandelt.

In Alaçatı, dessen südlicher Teil in den 1850er Jahren Sumpfgebiet war, liess der damalige Grosswesir einen Kanal bis zum natürlichen Hafen gegraben, der später zu einem Anlegeplatz für Schiffe ausgebaut wurde.

Bereits vor hundert Jahren wurde der in Alaçatı produzierte Wein – in Alaçatı wurde die Weinkelterei entwickelt – ins Ausland exportiert.

Inzwischen hat der Wein aus Alaçatı längst seinen Platz unter den qualitativ hochwertigen Weinen der Welt. In den Kirchen der Region ist die Weinrebe ein beliebtes Motiv in der Dekoration gewesen. Vor dem 19. Jahrhundert lebten in Alaçatı und Umgebung, in Çeşme, Çiftlik, Köste und Ovacık, insgesamt mehr als 45 000 Menschen.

Während noch in den 1980er Jahren der Anbau von Tabak und Honigmelonen und die Viehzucht die Haupteinnahmequelle der Bevölkerung waren, wurde die Landwirtschaft mit den Jahren immer mehr durch den Handel und teilweise durch Fischerei und Tourismus verdrängt.

Westlich von Alaçatı, an den Grenzen des Landkreises Çeşme, befindet sich der erloschene Vulkan Karadağ, in dessen Umgebung sich zahlreiche heisse Thermalquellen befinden. In der Umgebung gibt es kleine trockene Flussläufe, die bei Regen das Wasser aufnehmen. 1998 wurde der Kutlu Aktaş Staudamm mit seinem Trinkwasserreservoir eingeweiht, der im zu Alaçatı gehörenden Buca-Tal liegt.

Auf den für die Landwirtschaft geeigneten Flächen der Region werden vorwiegend Anis, Artischocken, Zwiebeln, Honigmelonen, Bergamotten und Oliven angebaut. Auch wegen seiner berühmten Mastix- Pistazienbaum-Plantagen ist Alaçatı für den Interessierten sehenswert.

Das Wasser des natürlichen Hafens im Süden von Alaçatı ist wegen der ständig wehenden Winde und der dennoch stets gleichmässigen Wellen ein weltweit bekanntes und ideales Surfgebiet. Die Region weist alle typischen Eigenschaften des mediterranen Klimas auf: Die Winter sind niederschlagsreich und mild, die Sommer heiss und trocken.

Den Thermalquellen von Alaçatı wird eine heilende und therapeutische Wirkung nachgesagt. Aus dem Thermalwasser, das unterschiedliche Anteile an Mineralien enthält, werden unter Beimischung von Pflanzenextrakten spezielle Kräuterbäder zubereitet, die insbesondere bei mit Vitaminmangel einhergehenden Knochen- und Gelenkleiden heilsam wirken.

Heute ist Alaçatı ein beliebter Ort mit einem individuellen Flair und einer sympathischen dörflichen Atmosphäre. Verantwortlich dafür sind unter anderem die im regionalen Baustil errichteten Steinhäuser, die mit Geranien und Bougainville-Büschen geschmückten bunten Gärten, der Marktplatz, die sympathischen Cafés und Lokale, die Boutiquen, Strandclubs und Hotels.

Ildırı (Erythrai)

Die stille Ecke Ioniens

Das antike Erythrai, das im 27 Kilometer von Çeşme entfernten Dorf Ildırı am Rande einer wunderschönen Bucht entdeckt wurde, war im 7. Jahrhundert v. Chr. eine der 12 Städte des Ionischen Bundes. Archäologische Ausgrabungen haben ergeben, dass der Ort ca. 3000 v. Chr. durch Kolonisten unter der Führung des Erythros gegründet wurde. Die Stadt Erythrai, die bereits im 6. Jahrhundert ein bedeutendes Siedlungsgebiet war, pflegte intensive Handelsbeziehungen mit Ägypten, Zypern und Europa und baute so den Seehandel aus. Im 4. Jahrhundert v. Chr. nahm die Stadt an der Schlacht von Lade teil und lehnte sich gegen die persische Herrschaft auf. Erst mit dem Einzug Alexanders des Grossen im Jahre 334 v. Chr. erlangte die Stadt ihre Unabhängigkeit zurück. Zur Zeit der römischen und byzantinischen Herrschaft verlor die Stadt an Bedeutung. Im 11. Jahrhundert geriet sie mit der Einnahme Çeşmes durch Çaka Bey, den Schwiegervater von Kılıçarslan I., unter seldschukische Herrschaft, im Jahre 1333 dann unter die türkische. Danach wurde der Name in Ildırı geändert.

Auf einem Hügel im Zentrum der Stadt befand sich eine Akropolis, deren Überreste heute noch zu sehen sind. Bei den hier gemachten Ausgrabungen fand man kleine Skulpturen, die zu Ehren der PallasAthene am Altar aufgestellt wurden. Das wichtigste Fundstück aus diesen Ausgrabungen ist eine weibliche Statue aus archaischer Zeit, die Sie heute im archäologischen Museum von İzmir sehen können. Ildırıs Stadtmauern auf der Landseite sind äusserst gut erhalten. In der antiken Stadt befanden sich die heilige Stätte Herakleion sowie die politische Agora aus der Zeit der Ionier, Alexanders des Grossen und seiner Generäle und der römischen Epoche.

Heute ist Ildırı ein eher abgelegener Fischerort, in dem Fischrestaurants und wunderschöne Sonnenuntergänge den Besucher erwarten. Er gehört somit zu den ruhigeren Ecken von Çeşme.

Hätten Sie’s gewusst? Die Lyder prägten die erste Metallmünze der Welt im Jahre 640 v. Chr. in der antiken Stadt Sart bei Manisa.