Istanbul Platze Und Baudenkmaler

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Als İstanbul noch Byzanz hiess, richtete sich die Stadt auf zwei Hauptstrassen aus: Eine dieser Strassen war die Kardo-Strasse, welche die Häfen am Marmarameer und in der Bucht des Haliç miteinander verband. Die andere war die Mese-Strasse, die über sieben grosse Plätze von Byzanz führte. Während die Kardo-Strasse als Verbindungsweg zwischen den städtischen Häfen eher einen funktionellen Charakter hatte, nahm die Mese-Strasse eine ganz besondere Funktion wahr.

Sie war der Ausgangspunkt aller Reisen aus İstanbul in die Welt – zu einer Zeit, als die Byzantiner İstanbul als den Mittelpunkt der Erde betrachteten. Wenn der Kaiser in den Krieg zog oder siegreich heimkehrte, ritt er an der Stelle, wo heute die Yedikule-Festung steht, über die Mese-Strasse durchs Goldene Tor an der Stadtmauer hindurch.

An dieser bedeutenden Strasse liessen verschiedene byzantinische Kaiser Plätze errichten, die ihren Namen trugen. Sie schmückten sie mit Skulpturen und Denkmälern, von denen einige bis heute erhalten geblieben sind. Auch wenn die eigentlichen Plätze, die im regelmässigen Abstand zueinander angeordnet waren, mittlerweile nicht mehr existieren, zeugen diese Überbleibsel heute noch von ihnen.

Die Mese-Strasse der byzantinischen Zeit verlor auch unter den Osmanen ihre Bedeutung nicht; sie wurde weiter genutzt. Wie alles in der Stadt hat aber auch diese Strasse mit dem Einzug der Osmanen ihre Identität gewechselt und den Namen Divanyolu erhalten. Der Grund für diese Namensgebung war die Tatsache, dass die Wesire, die an den Diwan-Versammlungen teilnahmen, auf ihrem Rückweg diese Strasse benutzten. Obwohl die Strasse umbenannt wurde, veränderte sich ihr Schicksal unter den Osmanen nicht gross.

In beiden Reichen war sie der Schauplatz wichtiger Ereignisse, Aufständische nahmen diesen Weg, aufgebrachte Mengen, die den Herrscher und seine Minister vom Thron zu stürzen suchten, kamen über diese Strasse zum Palast. Man kann sagen, dass das Schicksal İstanbuls und seiner Reiche eng mit dieser Strasse verbunden ist. Der erste der Plätze auf der Mese-Strasse war das Augusteion in der Nähe des heutigen Sultanahmet-Platzes.

In Fortführung des römischen Baustils wurden auch in der byzantinischen Zeit Plätze in Form eines Forums errichtet, das von verschiedenen Gebäuden umrahmt war. So war das Augusteion von den grössten und bedeutendsten der erhaltenen Bauwerke aus der byzantinischen Epoche umgeben: dem Grossen Kaiserpalast, dem Hippodrom und der Hagia Sophia. Mit seinem Million-Stein war dieser Platz darüber hinaus das Herz der Stadt, die einst als Zentrum der Welt galt.

Auch wenn dieser Stein neben der Unterirdischen Zisterne heute wie eine zerbrochene Säule anmutet und kaum noch Beachtung findet – die Passanten gehen meistens ahnungslos an ihm vorbei –, war dieser Stein einst der Beginn aller Routen und der absolute Nullpunkt im mittelalterlichen Weltbild. Die byzantinische Mese- bzw. die heutige Divanyolu-Strasse folgte grob dem Verlauf der heutigen Strassenbahn. Wenn Sie deren Trassee folgen, gelangen Sie zu den anderen Plätzen an dieser Strasse.

Sie können Ihren Spaziergang auf dieser geschichtsträchtigen und auch zur osmanischen Zeit bedeutenden Strasse angenehmer gestalten, wenn Sie an dieser Strasse gelegene Bauwerke aus der osmanischen Zeit besuchen. Das erste Bauwerk, auf das Sie treffen, ist die auf der linken Seite der Strasse gelegene Firuz Ağa Moschee.

Dieses Gotteshaus ist eine der ältesten Moscheen İstanbuls, sie wurde im Jahre 1491 erbaut. In Unterschied zu anderen Moscheen verfügt sie über nur ein Minarett, das sich auf ihrer linken Seite befindet. Gehen Sie auf der rechten Strassenseite weiter, gelangen Sie zur Obereunuch Mehmed Ağa Medresse. Während Sie sich langsam der „Çemberlitaş“ genannten Konstantin- Säule nähern, sollten Sie die weiteren wichtigen Baudenkmäler in der Umgebung nicht aus dem Auge verlieren.

Eines dieser Bauwerke ist das kurz vor der Çemberlitaş- Säule gelegene Grabmal Sultan Mahmud II. aus dem Jahre 1840. Hier befinden sich die Gräber einflussreichster Sultane des späten osmanischen Reiches: diejenigen von Mahmud II., Abdulaziz und Abdulhamid II. Nun gelangen Sie auf den zweiten auf der Mese- Strasse gelegenen Platz, den Konstantinplatz.

Dieser wird nach wie vor von der Konstantin Säule (heute Çemberlitaş genannt) überragt. In der byzantinischen Zeit wurden auf den Foren in guter römischer Tradition Säulen zu Ehren des Kaisers errichtet. Der Konstantinplatz wurde vom Reichsgründer Konstantin angelegt und wie andere Plätze mit Statuen und Denkmälern geschmückt. Diejenigen aus Bronze wurden während der Lateinischen Herrschaft eingeschmolzen und so vernichtet.

Auf der Konstantin-Säule befand sich eine Statue des Kaisers Konstantin. Allerdings stürzte diese bei einem starken Sturm herunter und begrub dabei zahlreiche Menschen unter sich. Da sich in den Porphyrsteinen der Säule mit der Zeit Risse zeigten, wurde sie mit Stahlringen stabilisiert.

Deshalb erhielt die Säule ihren heutigen Namen Çemberlitaş, was „Ringstein“ bedeutet. Man nimmt an, dass sich unterhalb der Säule einst eine Kapelle befand, in der Teile des Kreuzes aufbewahrt wurden, an das Jesus geschlagen worden sein soll. Die Konstantinsäule soll zum Schutz dieser Kapelle an diesem Ort errichtet worden sein.

Zahlreiche Menschen, die dieser Erzählung Glauben schenkten, versuchten durch heimliches Graben von Tunneln an das heilige Kreuz heranzukommen, keines dieser Unternehmen war jedoch von Erfolg gekrönt. Nach dem Theodosius-Platz gabelte sich die Mese-Strasse. Einer der Wege führte zurück zum Stadtteil Aksaray, zur Festung Yedikule und zum Goldenen Tor. Der andere führte zur der Stelle, die heute Edirne-Tor genannt wird. Wenn Sie den Strassenbahnschienen in Richtung Edirne- Tor folgen, kommen Sie der Reihe nach an zwei weiteren historischen Plätzen vorbei.

Der erste der beiden Plätze ist das Forum Philadelphion bei Şehzadebaşı, allerdings zeugt heute nichts mehr davon, dass es hier einst ein Forum gab. Der andere Platz ist das Amasterianon mit der Markianos-Säule, die heute „Kıztaşı“ (Mädchen- Stein) genannt wird. Dieser Platz befindet sich im Stadtteil Fatih auf dem heutigen İskenderpaşa Platz.

Um diese Säule, die ihren heutigen Namen ihren Reliefdarstellungen verdankt, ranken sich zahlreiche Erzählungen. Eine davon berichtet von einer jungen Frau, die diese Säule für den Bau der Hagia Sophia auf ihrem Rücken trug, dann aber von einem Geist überlistet wurde und die Säule hier abstellte. Danach habe sie sich nicht mehr rühren können.

Eine andere Erzählung besagt, die Säule würde sich vor Frauen verneigen, die auf unsittliche Weise ihre Unschuld verloren hätten, um sie blosszustellen.

Auf der im Jahre 455 n. Chr. zu Ehren Kaiser Markianos errichteten Säule befinden sich Darstellungen der Nike, der Göttin des Sieges. Wahrscheinlich wurde die Säule deshalb im Zusammenhang mit den Siegen des Kaisers und als eine Art Glücksbringer errichtet. Die Statue von Kaiser Markianos, die sich einst darauf befand, wurde im 13. Jahrhundert zusammen mit zahlreichen anderen Kunstwerken nach Europa verschleppt.

Neben dem Mittelmeer-Urlaubsort Antalya ist İstanbul eine der beliebtesten Destinationen der Touristen aus aller Welt, die alljährlich die Türkei besuchen. Darüber hinaus zählt die Stadt mit ihren modernen Kongresszentren zu den bedeutendsten Kongressstädten Europas. In İstanbul haben Sie die Wahl zwischen luxuriösen Hotels, in geschichtsträchtigen Gebäuden eingerichteten Boutique-Hotels oder traditionsreichen Gästehäusern, deren Geschichte Jahrhunderte zurückreicht.