Istanbul Die Unuberwindbaren Mauern

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Der Zauber und die Anziehungskraft İstanbuls haben mehrere Herrscher in ihren Bann gezogen, für die es zu einem unwiderstehlichen Verlangen wurde, İstanbul zu erobern. Die Schutzmauern der Stadt wehrten jedoch bis zum Jahre 1453 alle diese Angreifer ab. Man kann ohne Weiteres behaupten, dass Byzanz sein tausendjähriges Bestehen nicht zuletzt diesen beeindruckenden Mauern verdankt.

Zur Zeit Kaiser Konstantins waren nur der heutige Sultanahmet-Platz und seine Umgebung auf der Palasthalbinsel von Mauern umgeben. Bereits 120 Jahr später reichten sie wegen des ständigen Wachstums der Stadtbevölkerung aber nicht mehr aus, so dass Kaiser Theodosius im Jahre 415 die eigentlichen Stadtmauern errichten liess. Diese Stadtmauern, denen man heute noch vom Haliç bis zum Marmarameer entlang gehen kann, tragen zwar die Spuren von Theodosius’ Herrschaft, mussten aber in den folgenden Jahrhunderten immer wieder erneuert werden. Allerdings sind die Mauern in diesem Abschnitt auch die stärksten, da man die Verteidigung zum Meer hin als nicht so wichtig empfand.

Eine weitere Route, auf der Sie unterschiedliche İstanbuler Sehenswürdigkeiten entdecken, führt eben an diesen in der Vergangenheit erbittert umkämpften, vom Haliç bis zum Marmarameer führenden Stadtmauern entlang.

Entlang den Stadtmauern von İstanbul: vom Haliç zum Marmarameer

Der am stärksten ausgebildete Teil der İstanbuler Stadtmauern ist der Abschnitt zwischen dem Marmarameer und dem Haliç. Da das Marmara- Ufer ohnehin günstige Voraussetzungen zur Verteidigung bot, sah man keine Notwendigkeit, hier genauso starke Mauern zu errichten.

Weil die Mauern zum Land hin immer wieder Angriffen ausgesetzt waren, mussten sie besonders widerstandsfähig sein.

Eine Wanderung entlang der Stadtmauern führt Sie an den bedeutendsten und schönsten Bauwerken der byzantinischen Zeit vorbei. Unsere Tour beginnen wir an jener Stelle, an der die Stadtmauern auf das Haliç treffen. Das erste Bauwerk, das wir besichtigen, ist die Atik Mustafa Pascha Moschee. Obwohl bekannt ist, dass es sich bei diesem Gotteshaus einst um eine Kirche handelte, waren der ursprüngliche Name und das Erbauungsjahr bislang nicht zweifelsfrei zu ermitteln.

Man ist sich nicht einig darüber, ob es sich um eine im 5. Jahrhundert zu Ehren der Apostel Petrus und Markus oder um die im 9. Jahrhundert errichtete Hagia Thekla Kirche handelt. Der zu den Blakhernai-Palastbauten zählende Porphyrogennetos-Palast (Tekfur-Palast) verfügt über drei Ebenen. Als dem einzigen erhaltenen Palastbauwerk aus der byzantinischen Zeit kommt ihm ein besonderer kunstgeschichtlicher Stellenwert zu. Er befindet sich an einer Stelle – scheinbar von Mauern umringt –, wo die Stadtmauern äusserst gut erhalten sind.

Obwohl die Entstehung einiger der Bauten dieses Komplexes bereits in das 5. Jahrhundert datiert werden, dauerte es bis in das 12. Jahrhundert, bis die byzantinischen Kaiser den Grossen Kaiserpalast verliessen und diesem Bauwerk als Herrscherresidenz den Vorzug gaben. In der osmanischen Zeit wurde das Gebäude auf ungewöhnliche Weise als Glasmanufaktur und zeitweise sogar als Giraffenstall genutzt. Das nächste byzantinische Bauwerk, das Sie auf dieser Route besuchen können, ist das Kariye Museum, in dem die schönsten Beispiele byzantinischer Malerei zu sehen sind.

Der Name des Museums ist eine Ableitung des Wortes „Chora“, was so viel wie „ausserhalb der Stadt“ bedeutet – also ein Relikt aus dem 5. Jahrhundert, als es die Stadtmauern noch nicht gab und dieser Ort ausserhalb der Stadtgrenzen lag. Obwohl man das Gebäude eine Zeit lang als Moschee nutzte, wurden die prächtigen Mosaiken und Fresken nicht zerstört, sondern nur mit Kalkputz übergetüncht.

Diese wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Zufall wieder entdeckt und im Rahmen darauf folgender Restaurationen vollständig freigelegt. Die Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert, die Fresken und Mosaiken sind hingegen ins 14. Jahrhundert zu datieren. Anhand dieser Meisterwerke kann man das hohe Niveau erkennen, das die byzantinische Kunst bereits vor dem Beginn der europäischen Renaissance erreicht hatte.

Die meisten dieser Kunstwerke, die zu den weltweit schönsten Beispielen byzantinischer Kunst zählen, stellen biblische Szenen dar und erzählen vom Leben der Mutter Maria und demjenigen von Jesus. Über dem Eingang zum Naos befindet sich eine Darstellung des kaiserlichen Beraters Theodoros Metokhites, dem die Kirche ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt. Auf den Darstellungen überreicht dieser Christus das Gotteshaus – eine der wenigen nicht biblischen Darstellungen in dieser Kirche.

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Eine ähnliche Szene ist auch in der Hagia Sophia dargestellt. Eines der wichtigsten Tore in den Stadtmauern ist das Edirne-Tor. Gleich daneben steht eine der monumentalsten Bauwerke aus der Feder des Baumeisters Sinan, die Mihrimah Sultan Moschee. In ganz İstanbul gibt es zahlreiche Werke Sinans, die den Namen dieser Tochter Süleyman des Prächtigen tragen. Dank ihrer erhöhten Lage ist die Moschee schon von Weitem gut zu erkennen. Um den Innenraum so hell wie möglich zu gestalten, wurde die Moschee mit zahlreichen Fenstern versehen.

Geht man am Belgrad-Tor vorbei in Richtung Marmarameer weiter, gelangt man zu einem der berühmtesten Gebäude an den Stadtmauern, der Yedikule-Festung. Dieser Wehrturm, der in seinem Grundriss einem fünfzackigen Stern ähnelt, steht an der Stelle, wo einst das Goldene Tor stand, das prächtigste unter den 55 Toren, die in der byzantinischen Zeit in die Stadt führten. Durch dieses Tor brach der Kaiser mit seinen Mannen zu den Feldzügen und Kriegen auf.

Sultan Mehmed II. liess diesem Teil der Stadtmauern weitere Türme hinzufügen, wodurch dieser Ort sowohl sein heutiges Erscheinungsbild als auch seinen neuen Namen erhielt (yedi kule = sieben Türme). Die byzantinische Bezeichnung „Goldenes Tor“ hingegen rührt von den einst reichhaltigen Goldverzierungen her, mit denen das kaiserliche Tor geschmückt war.

Indem den zwei bestehenden Türmen in osmanischer Zeit fünf weitere hinzugefügt wurden, erhielt dieses Bollwerk den Charakter einer inneren Festung, die über die Epochen hinweg mal als Depot, mal als Schatzkammer und auch als Gefängnis genutzt wurde.

Die Kerker in dieser Festung, in denen während der osmanischen Zeit bedeutende Persönlichkeiten einsassen, stehen heute den Besuchern offen. Im Garten des Gebäudes sind zahlreiche Exponate ausgestellt, darunter auch historische Kanonengeschosse. In den Sommermonaten werden hier Konzerte veranstaltet. Wenn man bis hierher noch nicht zu sehr ermüdet ist, lohnt es sich, der Uferstrasse entlang des Marmarameers zu folgen und zum nächsten Tor namens Yenikapı zu gehen. Archäologische Grabungen, die hier durchgeführt wurden, förderten Fundstücke zu Tage, die zur Erhellung der achttausendjährigen Geschichte İstanbuls beitragen.

Insbesondere die hier gefundenen, als „Schiffswracks von Yenikapı“ bezeichneten Boote und Überreste des einstigen Hafens sind wegen der neuen Erkenntnisse, die sie über die byzantinische und osmanische Epoche der Stadt eröffnen, von Bedeutung.

Der Theodosius-Hafen, der zur Zeit Kaiser Theodosius I. gegen Ende des 4. Jahrhunderts angelegt und bis ins 14. Jahrhundert genutzt wurde, befindet sich ebenfalls bei Yenikapı. Weitere bedeutende Funde, die hier ausgegraben wurden, sind Überreste der ersten Stadtmauer İstanbuls aus der Zeit Kaiser Konstantins, die Aufschluss über die damaligen Grenzen der Stadt geben.

Diese Ausgrabungen brachten ausserdem Überreste vom Elephterion, der ältesten byzantinischen Hafensiedlung, zu Tage. Wer sich für die byzantinische Vergangenheit İstanbuls interessiert, dem sei ein Besuch von Yenikapı unbedingt empfohlen.

Neben dem Mittelmeer-Urlaubsort Antalya ist İstanbul eine der beliebtesten Destinationen der Touristen aus aller Welt, die alljährlich die Türkei besuchen. Darüber hinaus zählt die Stadt mit ihren modernen Kongresszentren zu den bedeutendsten Kongressstädten Europas. In İstanbul haben Sie die Wahl zwischen luxuriösen Hotels, in geschichtsträchtigen Gebäuden eingerichteten Boutique-Hotels oder traditionsreichen Gästehäusern, deren Geschichte Jahrhunderte zurückreicht.