Istanbul DER TOPKAPIPALAST

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Als Sultansmauern werden die von Sultan Mehmed II. („dem Eroberer“) erbauten Mauern bezeichnet, die den Topkapıpalast auf der Landseite abgrenzen. Auf der Meerseite umgeben byzantinische Mauern den Palast. Der Topkapı-Palastkomplex beherbergt zahlreiche Bauten aus byzantinischer und osmanischer Zeit, von denen einige heute als Museum dienen.

Der Topkapıpalast blieb über 400 Jahre lang Herrschaftssitz der osmanischen Sultane. Der Palast unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von seinen Pendants in Europa. Während man die religiösen Bauten so prachtvoll wie nur irgend möglich gestaltete, wurden die Bereiche, die den privaten Lebensraum der Sultane darstellten, eher schlicht gehalten.

Diese Bauweise kann auf ein Gebot des Islams zurückgeführt werden.

Der Topkapıpalast war gleichzeitig Sitz der Regierung und Sitz des Sultans sowie seiner Ehefrauen und Kinder. Hier wurden an wichtigen Festtagen pompöse Zeremonien abgehalten, bei denen der Sultan und alle Würdenträger anwesend waren. Hier wurden auch ausländische Abgesandte empfangen und sogar Hinrichtungen von hochgestellten Persönlichkeiten vollzogen.

Man kann zusammengefasst sagen, dass dieser Ort Schauplatz der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Osmanischen Reiches war.

Der Palast, dessen Besuch für den erstmaligen Besucher İstanbuls ein unbedingtes Muss ist, besteht nicht aus einem einzigen grossen Gebäude, sondern aus mehreren einzelnen Bauten. Seine Erbauung erfolgte demnach nicht in einer einzigen Epoche. Mehmed II. gab zwar den Befehl zu seiner Errichtung, doch er starb, bevor er hier Quartier beziehen konnte.

Fertiggestellt wurde der Palast im Jahre 1478 unter Sultan Bayasid II., dann war er 400 Jahre lang der Sitz der osmanischen Sultane sowie das Zentrum der Macht im Osmanischen Reich. Wegen dieser Funktion wurde der Palast über die Jahrhunderte hinweg immer wieder den steigenden Anforderungen angepasst, durch neue Gebäuden erweitert und vergrössert. Auch wenn die osmanischen Sultane es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts vorzogen, die Paläste Dolmabahçe, Beylerbeyi und den Çırağan- Palast am Boğazufer als neue Residenzen zu nutzen, wurde der Topkapıpalast nie völlig aufgegeben.

Insbesondere der Bereich mit den heiligen Reliquien (des Propheten) wurde jedes Jahr Instandsetzungsarbeiten unterzogen; auch der Rest des Palastes, wo viele Hofbedienstete weiterhin lebten, wurde ständig gepflegt. Den Topkapıpalast erreichen Sie, wenn Sie dem Weg zwischen der Blauen Moschee und der Hagia Sophia folgen. Bevor Sie den Palastkomplex betreten, können Sie den Brunnen Ahmed III. gegenüber der Sultanspforte (Bab-ı Hümayun) bewundern. Das Lebenselixier Wasser hat bei den Türken seit jeher eine grosse Bedeutung. Der islamische Glaube besagt, dass es eine grosse Wohltat ist, den Durst eines Lebewesens zu stillen.

Aus diesem Grund trifft man in fast ganz Anatolien oft unverhofft auf Brunnenbauten oder Trinkbrunnen. Gleichzeitig sind diese Brunnen ein Zeichen der Reinlichkeit. Seldschuken wie Osmanen liessen daher notwendigerweise überall dort, wo sie wirkten, monumentale Brunnen errichten; sie verzierten diese nicht selten mit wunderschönen Dekorationen. Wie bereits erwähnt, hat İstanbul als Siedlungsstandort den einzigen Makel der Wasserknappheit. Im Gegensatz zu den Byzantinern liessen die Osmanen nicht Zisternen, sondern diese Art von Brunnen errichten, denn der Glaube ist verbreitet, dass fliessendes Wasser sauberer ist als stehendes. Die osmanische Stadt mit den meisten dieser monumentalen Brunnenbauten ist, wie man unschwer erraten kann, İstanbul.

Von den einst über 10 000 Brunnen sind bis heute zwar nur noch wenige erhalten, diese ziehen aber mit ihrer Pracht und Schönheit die Blicke auf sich. Das schönste Beispiel dieser Art von Bauten in İstanbul und in der gesamten osmanischen Epoche ist der im Jahre 1728 errichtete Brunnen Ahmed III. Er wurde mit Gedichten und Lobpreisungen in altosmanischer Schrift verziert. Nachdem wir diesem verzaubernden Brunnen den Rücken gekehrt haben, stehen wir vor der monumentalen Sultanspforte, der Bab-ı Hümayun, die zur osmanischen Zeit den Haupteingang des Palastes bildete.

Im oberen Bereich der von Mehmed II. errichteten Pforte befanden sich die Schatzkammern des Volkes. Hier wurde das Kapital von Bürgern, die ohne rechtmässige Erben verstorben waren, zugunsten des Volkes aufbewahrt und verwaltet.

Betritt man den Palast durch die Sultanspforte, gelangt man auf einen Innenhof, der Regimentenplatz (Alay Meydanı) genannt wird. Zur Zeit der osmanischen Sultane war ein grosser Teil des Topkapıpalastes für das einfache Volk nicht zugänglich. Nur dieser grösste Hof des Palastes wurde an bestimmten Tagen für das Volk geöffnet; von hier aus konnten die Bürger mit den betreffenden Würdenträgern sprechen. Von diesem Hof weg führt eine mit jahrhundertealten Bäumen gesäumte Allee, auf der die Sultane hinaus ritten, wenn Sie in die Schlacht zogen.

Hier wurden anlässlich der Inthronisierung eines neuen Sultans auch Zeremonien abgehalten, anlässlich derer der neue Sultan die Höflinge reich beschenkte, um sie sich gewogen zu machen. Auch ausländische Abgesandte mussten diesen Weg nehmen, wenn sie zur Empfangspforte, der Bab-üs Selam, gelangen wollten. Zahlreiche wichtige Ereignisse in der osmanischen Geschichte nahmen von hier ihren Lauf. Dieser Hof birgt neben Bauten aus osmanischer Zeit auch einige byzantinische Bauwerke, wie die Hagia Irene-Kirche, die wie die Hagia Sophia beim Nika-Aufstand im Jahre 532 den Flammen zum Opfer fiel, später aber von Kaiser Justinian I. wieder aufgebaut wurde.

Wegen ihrer besonderen Architektur verfügt dieses Gebäude über eine einzigartige Akustik, weswegen die Hagia Irene beliebter Veranstaltungsort für Konzerte ist. Sollten Sie während des İstanbuler Musikfestivals in der Stadt weilen, haben Sie die Gelegenheit, in dieser historischen Kulisse einem unvergesslichen Musikgenuss zu frönen. Ausserhalb dieser Veranstaltungen ist die Kirche geschlossen und nur auf Anfrage zu besichtigen. Hinter der Hagia Irene steht eines der wichtigsten bis heute erhaltenen Gebäude: die Münzprägerei des Sultans (Darphane-i Amire).

Von den Osmanen bis noch ins Jahr 1967 wurden in diesem Gebäude Münzen geprägt. Das Gebäude beherbergte alle zur Prägung von Münzen notwendigen Bereiche (Giesserei, Schlosserei, Münzprägerei, Reparaturwerkstatt und Stempelwerkstatt). Auch Gebrauchsgegenstände und Schmuck aus Edelmetallen wurden hier hergestellt.

Folgt man dem Weg von der Sultanspforte aus, gelangt man zu einem weiteren Tor, deren zwei spitze Türme ein wenig an eine mittelalterliche Burg erinnern. Dieses Tor ist die Empfangspforte, die zwei Innenhöfe voneinander trennt. Durch sie hindurch gelangt man zum zweiten Hof. Möglicherweise fällt Ihnen hier auf, dass der Bereich, wo heute die Eintrittskassen und Metalldetektoren stehen, ein wenig erhöht ist. Der Grund dafür liegt darin, dass es sich dabei um den Ort handelte, wo sich die hohen Generäle versammelten, die an den Diwan-Ratssitzungen teilnahmen.

Dieser zweite Hof wird Ratsplatz (Divan Meydanı) genannt. Den osmanischen Berufssoldaten wurde auf diesem Platz alle drei Monate ihr „Ulufe“ genannter Sold ausbezahlt. Auch ausländische Botschafter wurden hier empfangen. Wie durch den ersten Vorhof führt auch durch diesen Innenhof ein Weg, der zum Sultansrat (Divan-ı Hümayun) führte und bis zur sogenannten Pforte des Glücks (Bab-üs Saade) reicht. Dieser Weg wurde auch „Wesirenweg“ genannt.

Auf dem Rundgang durch den Palast kommen Sie auf der rechten Seite des Platzes zu den ersten zur Besichtigung freigegebenen Bauten: die mit ihren Schornsteinen wie Fabriken anmutenden Palastküchen. Einen Teil des Küchenkomplexes, der zusammen mit dem Palast im 15. Jahrhundert errichtet wurde, baute der Baumeister Sinan später um, indem er sie den damaligen Anforderungen entsprechend erweiterte. In den Küchen kochte ein grosser Küchenstab neben den täglich zubereiteten Speisen auch das Essen für grosse Feierlichkeiten und Bankette.

Die Speisen für den Sultan wurden in einem separaten Bereich durch den Obersten Küchenmeister persönlich zubereitet. Heute ist der Küchenbereich ein Museum, in dem seltenes chinesisches und japanisches Porzellan, das den osmanischen Sultanen als Geschenk überbracht wurde, sowie in den Küchen verwendete Gegenstände aus Kupfer, Porzellan und Glas ausgestellt werden. Wie bereits erwähnt, wurde der Topkapıpalast nicht auf einmal errichtet, sondern nach und nach den sich ändernden Bedürfnissen entsprechend erweitert und vergrössert. Auf der linken Seite des Platzes, dem Küchenkomplex gegenüber, befindet sich der in der Zeit Sultan Süleyman des Prächtigen errichtete Sultansdiwan (Divan-ı Hümayun).

Der Begriff Diwan bezeichnet die Ratsversammlung, welche die wichtigsten Belange des Reiches erörterte. Diese Versammlung diskutierte alle Themen, angefangen von Problemen des Volkes bis hin zur Ernennung von Würdenträgern. Links und rechts dieser Örtlichkeit befanden sich die dazu gehörige Schreibstube und das Archiv (Defterhane).

Während die Sultane dem Diwan bis in die Zeit Sultan Mehmed II. vorsassen, wurde diese Aufgabe danach von den Grosswesiren übernommen. Als Grund dafür wird im Allgemeinen angeführt, dass auf diese Weise Dinge zur Sprache gebracht werden konnten, die man dem Sultan direkt zu sagen möglicherweise nicht gewagt hätte. Unter der Kuppel befindet sich hinter einem mit Blattgold verzierten Eisengitter eine Kammer, von der aus der Sultan die Sitzungen verfolgen konnte.

Die Diwan-Sitzungen wurden hier abgehalten, bis der Rat im 18. Jahrhundert zur Hohen Pforte (Bab-ı Ali) umzog. Der angrenzende Turm, dessen Spitze ein wenig wie eine Zipfelmütze anmutet, beherbergte den Gerichtshof. Seine im Vergleich zu den anderen Gebäuden grössere Bauhöhe sollte den Stellenwert symbolisieren, den die Gerechtigkeit im Osmanischen Reich genoss. Neben dem Sultansdiwan befindet sich die Schatzkammer, wo der Staatsschatz aufbewahrt wurde. Verständlicherweise handelte es sich bei diesem Bereich um den bestbehüteten Bereich des Palastes. Hier wurden die eingezogenen Steuern gelagert, und nur der Grosswesir, der das Siegel des Sultans trug, hatte das Recht, die Kammer zu öffnen.

Heute dient dieser Bereich als Waffenausstellung des Museums, unter deren Exponaten sich auch Waffen der Sultane befinden. Während der Topkapıpalast nach aussen eher schlicht erscheint, sind die Innenräume der einzelnen Gebäude umso aufwendiger geschmückt. Die schönsten Beispiele dieser Dekoration sind im Haremsbereich zu sehen. Für den Harem, der einen der interessantesten Bereiche des Palastes darstellt, muss eine gesonderte Eintrittkarte gelöst werden. Ausser der engsten Familie des Sultans und den Haremsbediensteten hatte hier niemand Zutritt.

Gerade weil so wenig über diesen verbotenen Ort bekannt wurde, rankten sich zahlreiche Erzählungen um den Harem des Sultans; die berühmtesten Maler Europas brachten ihre durch den Harem inspirierten Phantasien auf die Leinwand. Das strikte Besuchsverbot und die Abschottung des Harems vor unbefugten Blicken wurden bis zur Zeit Selim III. fortgeführt.

Erst zur Zeit dieses Sultans durften erstmalig Aussenstehende den Harem besuchen. Der Harem des Topkapıpalastes spiegelt die Entwicklung der osmanischen Architektur wider, da die Sultane immer wieder Erweiterungen und Kammern für Konkubinen und Haremsbedienstete hinzufügten. Einige dieser Kammern tragen den Namen des Sultans, der sie erbauen liess, zum Beispiel die Kammer Murad III., die dieser dem Baumeister Sinan in Auftrag gab. Der Harem umfasste mehr als 300 Kammern, ausserdem neun Bäder, zwei Moscheen und ein Krankenhaus. Ein Teil der Kammern war den Prinzen, Konkubinen, Eunuchen und Haremsbediensteten vorbehalten. Die prächtigsten dieser Kammern waren die Kammern der Sultansmütter. Darüber hinaus wurden insbesondere die Kammern, welche die Sultane in ihrem eigenen Namen errichten liessen, mit besonders schönen Fayencen verziert.

Ein weiterer bedeutender Bereich des Topkapıpalastes ist die Pforte des Glücks (Bab-üs Saade), durch die man vom zweiten in den dritten Innenhof gelangt. An Festtagen und anlässlich der Inthronisierungszeremonien sass der Sultan vor diesem Tor, davor wurden die Zeremonien abgehalten. Wenn Sie durch dieses Tor gehen, sehen Sie gleich gegenüber die Audienzkammer, in der die osmanischen Sultane ausländische Abgesandte empfingen. Der Bereich hinter dieser Kammer ist neben der Enderun-Bibliothek und der Ağalar Moschee der am meisten besuchte Bereich des Museums. Grund dafür sind die Exponate, die in den um den Hof angeordneten Kammern ausgestellt werden.

Hier können Sie die schönsten Kunstwerke aus dem Schatz des Topkapıpalastes bestaunen, die schon als Inspiration und als Gegenstände bei Hollywood- Filmen dienten und deren materieller und ideeller Wert unbezahlbar ist. Während mehr als 600 Jahren war der Topkapıpalast der Ort, an dem die Herrscher des grössten und reichsten Imperiums ihre Schätze horteten. Heute zeugen noch wertvolle, von ausländischen Staatsoberhäuptern überbrachte Geschenke, unbezahlbare, mit Edelsteinen verzierte Gegenstände und Waffen sowie Bekleidungsstücke der Sultane von der einstigen Pracht. Einer der wichtigsten Ausstellungssäle im Topkapıpalast ist der Bereich der heiligen Reliquien, der durch eine Restrukturierung der Sultanskammern und des Audienzsaals des Palastes sowie weiterer Bereiche errichtet wurde.

Hier werden Gegenstände aufbewahrt, die für die islamische Welt von grosser Bedeutung sind und als heilig gelten. Darunter befinden sich auch Reliquien, die vom Propheten Mohammed stammen, sowie der mit Gold und Silber verzierte Schlüssel zur Kaaba in Mekka, Andenken an wichtige Propheten, wie Moses, David, Abraham und Josef, sowie Schwerter der ersten vier Kalifen des Islams. Es war eine Tradition der osmanischen Sultane, jedes Jahr zur Zeit der Pilgerfahrt nach Mekka, Hadsch, wertvolle Geschenke den heiligen Stätten in Mekka und Medina zu schicken. Die Karawanen mit diesen wertvollen Gaben wurden von hier aus auf den Weg geschickt. Die letzten Stationen im Topkapıpalast, die dem Besucher offenstehen, sind die Palastterrasse, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts erweitert und auf der neue Pavillons errichtet wurden, sowie der IV. Innenhof (auch Sofa-i Hümayun genannt).

Hier stehen bedeutende Bauwerke, wie der Eriwan- Pavillon und der Bagdad-Pavillon, die von Sultan Murad IV. im Jahre 1636 bzw. 1639 zum Gedenken an Eriwan und Bagdad errichtet wurden und die als die schönsten Pavillons des Palastes gelten. Hinweis: Das Museum ist täglich ausser dienstags von 09.00 - 17.00 geöffnet. Einige Bereiche des Museums können gelegentlich wegen Restaurationsarbeiten geschlossen sein.

Für genauere Informationen konsultieren Sie die ständig aktualisierte Internetseite www.topkapisarayi.gov.tr, die auch weitere Informationen über den Palast bietet.

Neben dem Mittelmeer-Urlaubsort Antalya ist İstanbul eine der beliebtesten Destinationen der Touristen aus aller Welt, die alljährlich die Türkei besuchen. Darüber hinaus zählt die Stadt mit ihren modernen Kongresszentren zu den bedeutendsten Kongressstädten Europas. In İstanbul haben Sie die Wahl zwischen luxuriösen Hotels, in geschichtsträchtigen Gebäuden eingerichteten Boutique-Hotels oder traditionsreichen Gästehäusern, deren Geschichte Jahrhunderte zurückreicht.