Sinan Route 2 Karakoy Tophane Besiktas Ortakoy

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Diese Route, auf der wir entlang des Goldenen Horns und des Boğaz schlendern werden, beginnt an der Atatürk-Brücke, die den historischen Stadtteil Galata mit der Palasthalbinsel verbindet.

Das erste Bauwerk Sinans, das wir auf dieser Route besuchen, ist die Sokollu Mehmed Pascha Moschee (Azapkapı Moschee) (2A), die gleich am Ende der Brücke im Stadtteil Şişhane steht. Diesem einfl ussreichen Grosswesir sind über ganz İstanbul verteilt mehrere Bauwerke zu verdanken. Die nach ihm benannte Moschee war einst Teil einer Külliye, von der aber nur noch das Gebetshaus übrig blieb.

Mit ihrem Innenaufbau und Grundriss erinnert sie stark an die Selimiye Moschee in Edirne; man kann sogar sagen, dass diese Moschee eine Art kleinere Ausgabe jener prachtvollen Moschee ist. Eine Besonderheit dieser Moschee ist die Lage ihres Minaretts: Es ist nicht mit dem Hauptgebäude verbunden, was für die Moscheebauten Sinans eher ungewöhnlich ist. Neben den aufwendigen Marmor-Friesen an den Türen und Fenstern, den mit reichen Verzierungen versehenen Eingangstüren und Fensterläden aus Holz ist die aufwendig gestaltete Kanzel unbedingt sehenswert. Gegenüber der Moschee steht heute noch der Sokollu Mehmed Pascha Hamam, der aber über die Jahrhunderte seine ursprünglichen Eigenschaften aus der Zeit Sinans leider eingebüsst hat.

Die Bauwerke Sinans, die wir auf dieser Route sehen werden, befi nden sich vornehmlich in der Nähe des Wassers. Deshalb sind sie, im Vergleich zu den Stationen anderer Routen, leichter zu fi nden. Eine Ausnahme davon bildet die Rüstem Pascha Karawanserei (2B), die etwas abseits der Brücke über das Goldene Horn im Bereich des Wochenmarkts steht und die aufgrund der umstehenden Geschäfte möglicherweise etwas schwieriger zu entdecken ist.

Diese wegen ihres Bleidachs auch Kurşunlu Han (Bleiernes Gästehaus) genannte Karawanserei wird heute immer noch als Lager und Ladengeschäft genutzt. Ohne von unserer Route abzuweichen, schreiten wir begleitet vom wunderschönen Ausblick auf den Boğaz weiter voran. Nachdem wir die Anlegestelle der Passagierfähre von Karaköy passiert haben, führt uns die Meclisi-Mebusan-Strasse zu einem der bekanntesten Viertel İstanbuls, nach Tophane.

Hier treffen wir auf die Kılıç Ali Pascha Moschee und Külliye (2C) (erbaut 1580-1587), die mit ihren architektonischen Merkmalen sehr deutlich vor Augen führt, wie die Hagia Sofi a das Schaffen Sinans beeinfl usst hat. Der Auftraggeber dieses monumentalen Komplexes war ein sogenannter Kaptanı Derya, ein Grossadmiral des Sultans. Auf unserer Route werden wir noch einige Türben genannte Grabmäler und Moscheen sehen, die für bekannte Stifter dieses militärischen Ranges erbaut wurden.

Unter ihnen war Kılıç Ali Pascha derjenige, der diese Tradition einführte. Seine interessante Lebensgeschichte mag Sie ebenso interessieren wie die Tatsache, dass er den Ort seines Grabmahls so auswählte, dass er quasi von seinem Grab aus die Brandung des Meeres hören und dessen Geruch spüren konnte, die ihn so lange begleitet hatten. Neben der Moschee blieb von der Külliye auch noch ein Hamam erhalten. Der Grundriss und die Aufteilung der Moschee folgen einem aus der Hagia Sofi a stammenden und weiterentwickelten Schema. Den doppelten Gebetsvorraum verwendete Sinan bei jenen Gebäuden häufi g, die für Wesire und Kaptanı Deryas errichtet wurden. Die Galerien der Moschee legen sich in einer U-Form um den Gebetsraum. Der in Sternform erbaute Hamam wurde der Külliye zur Nutzung durch die osmanischen Seeleute hinzugefügt.

İstanbul wurde in seiner Vergangenheit von zahlreichen Grossbränden heimgesucht. Einige davon setzten auch Sinans Werken zu. Die Cihangir Moschee (2D), die gleich sechs Mal Bränden zum Opfer fi el, ist vielleicht das glückloseste unter seinen Bauwerken. Wegen dieser Katastrophen büsste es einen Grossteil der ursprünglichen Merkmale der Architektur Sinans ein.

Es liegt indes direkt auf unserem Weg an der Cihangir- Strasse und kann daher ohne viel Zeitaufwand besichtigt werden. Ein weiterer Grund, warum Sie diese für die Zeit Sinans nicht unbedingt typische Moschee besuchen sollten, ist der sagenhafte Ausblick vom Hof der Moschee auf den Boğaz, die Hagia Sofi a, die Blaue Moschee, die historische Halbinsel und den Kız Kulesi (Leanderturm). Diese Moschee ist diejenige mit der schönsten Aussicht in İstanbul. Das nächste auf unserem Weg liegende Werk Sinans ist die Molla Çelebi (Fındıklı) Moschee (2E) (erbaut 1586).

Neben seinen sonst meist monumentalen Bauten wirkt dieses relativ kleine Gebäude - nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass es direkt am Boğaz liegt - freundlich und sympathisch. Bei diesem von Mehmed Vusuli Efendi, einst Kadi von İstanbul, gestifteten Gotteshaus handelt es sich um eine der Moscheen Sinans mit sechseckigem Grundriss.

Das nächste Sinan-Bauwerk liegt zwar etwas weiter entfernt, dennoch dürfte der Weg dorthin Freude bereiten, führt er doch parallel zu den Ufern des Boğaz am legendären Dolmabahçe- Palast vorbei. Im Stadtteil Beşiktaş fi nden sich gleich zwei bedeutende Werke Sinans in unmittelbarer Umgebung; deren Namen erinnern uns an zwei wichtige Persönlichkeiten der osmanischen Seefahrt.

Das erste dieser Bauwerke ist die Türbe von Barbarossa Hayreddin Pascha (2F) (erbaut 1541), das sich direkt neben dem Seefahrtsmusem befi ndet. Da der Baumeister aller Baumeister zur Zeit der Blüte des Reiches lebte, tragen auch zahlreiche Türben dieser Zeit als letzte Ruhestätten wichtiger Persönlichkeiten seine Handschrift. Diese Türbe ist eines der schönsten Beispiele der Grabmalarchitektur. Barbarossa Hayreddin Pascha, einer der bedeutendsten Vertreter der Geschichte der Seefahrt weltweit und der erste Grossadmiral des Osmanischen Reiches, sorgte lange Zeit im Mittelmeer für Ordnung und war verantwortlich für den Sieg der Seeschlacht von Preveza, einer der grössten Seeschlachten der Geschichte.

Dass das Grab eines Mannes, der Zeit seines Lebens die Weltmeere befuhr, in Hör- und Sichtweite der Brandung liegt, hat symbolischen Charakter. Es wird berichtet, dass nach der Grablegung von Barbarossa Hayreddin Pascha die Seeleute der osmanischen Flotte jedes Mal, bevor sie in See stachen, diesem Grabmal einen Besuch abstatteten. Wenn Sie die Türbe von innen sehen wollen, müssen Sie an einem 4. April oder 1. Juli hierher kommen; während der anderen Tage des Jahres bleiben ihre Tore geschlossen.

Sinan Pascha, eine weitere wichtige Persönlichkeit der osmanischen Seefahrtsgeschichte, war Auftraggeber der nach ihm benannten und von seinem Namensvetter erbaute Sinan Pascha Moschee (2G) (erbaut 1555/6). Sie befi ndet sich direkt neben der zuletzt beschriebenen Türbe. Vor ihrem Aufbruch auf See besuchten die Seeleute - nach dem Gang zum Grab von Barbarossa Hayreddin Pascha - hier das Freitagsgebet.

Bei diesem Bauwerk wandte Sinan eine Weiterentwicklung der Aufteilung der Üç Şerefeli Moschee in Edirne an. Diese Moschee sticht insbesondere durch die bunten und vergoldeten Wandmalereien in ihrem doppelten Gebetsvorraum hervor. Die angrenzende Medresse, mit der die Moschee sich den Hof teilt, wurde ebenfalls von Sinan erbaut.

Auf der beidseitig von mächtigen und ehrwürdigen Bäumen gesäumten Çırağan-Allee, die wie ein verlängerter Ausläufer des sich zu unserer Linken erstreckenden Yıldız Parks wirkt, verlassen wir Beşiktaş. Am Ende der engen, aber steilen Yahya-Efendi-Gasse, die gleich neben dem Park zur Anhöhe hinaufführt, fi nden wir die Türbe Yahya Efendi (2H).

Dieser war der Milchbruder (von der gleichen Amme gestillt) von Süleyman des Prächtigen, der wegen seiner erstmaligen Einführung eines Gesetzkodex auch Kanuni, der Gesetzgeber, genannt wird. Diese im Zentrum eines Friedhofs gelegene Türbe wird ebenfalls bevorzugt von Seeleuten aufgesucht, da von Yahya Efendi zahlreiche wundersame, mit dem Meer zusammenhängende Geschehnisse berichtet werden; einem Aberglauben zufolge ist er gar der Beschützer des Boğaz. Obwohl die über die Jahrhunderte hinweg häufi g restaurierte Türbe ihren ursprünglichen Charakter teilweise verloren hat, sollten Sie diese Türbe besuchen - sei es nur, um das Seemannsgarn über Yahya Efendi zu hören.

Da sich die Türbe am Ende einer steil nach oben führenden Strasse befi ndet, gehört sie zu jenen Werken, deren Besuch etwas anstrengender ist als derjenige anderer Stationen dieser Route. Allerdings wird man, erst einmal angekommen, für diese Anstrengungen mit einem unvergleichlichen Blick auf die Meerenge zwischen den Kontinenten belohnt. Sollten Sie in Eile sein, können Sie den Besuch dieser Türbe verschieben und mit einem späteren Spaziergang in der grünen Lunge İstanbuls, dem Yıldız Park, kombinieren.

Von der Türbe Yahya Efendis aus kann man entweder parallel zum Boğazufer auf der Muallim Naci Allee weitergehen oder die Strecke bis zur nächsten Station mit dem Sammeltaxi (Dolmuş) oder privaten Fahrzeug zurücklegen. Die nächste Station ist dann auch schon die letzte dieser Route. Es handelt sich um den Hüsrev Kethüda Hamam (2I), der sich in Ortaköy, am Schnittpunkt der Dereboyu-Strasse und der Muallim Naci-Allee, befi ndet.

Da dieses Gebäude heute als Bar Verwendung findet, ist es während des Tages geschlossen; vor den Abendstunden kann es nur nach Absprache besichtigt werden. Wenn Sie aber die Anstrengungen des Tages abstreifen wollen, können Sie an diesem Ort, der seinen eigenen Beitrag dazu leistet, dass der Name Sinan der Baumeister weiterlebt, etwas zu sich nehmen. Sie können aber auch von den Cafés rund um die nahe gelegene Ortaköy Moschee aus den Anblick des Boğaz und der Boğazbrücke in den schillernden Farben der Abendsonne geniessen.

WAS SIE VOR ANTRITT DER SİNAN REISE BEACHTEN SOLLTEN
- Einige der Werke Sinans in İstanbul sind aufgrund ihrer exponierten Lage leicht zu fi nden. Sie können jedoch unter Umständen Schwierigkeiten haben, die in den engen Gassen besonders stark bebauter Stadtteile gelegenen Bauwerke zu finden. Deshalb kann ein ortskundiger Führer von Vorteil sein.
- Die von uns ausgearbeiteten Routen sind so gestaltet, dass sie jene Werke Sinans umfassen, die sich in einem bestimmten Umkreis befi nden. Diese Gebäude stehen nicht selten unmittelbar neben anderen bedeutenden Bauwerken aus byzantinischer und osmanischer Zeit, die zwar nicht von Sinan dem Baumeister errichtet wurden, die Sie möglicherweise aber dennoch besuchen wollen. In diesem Fall kann es erforderlich sein, die Stationen der Route auf mehrere Tage aufzuteilen.
- Einige von Sinans Bauwerken, darunter insbesondere die Türben, können nur mit besonderer Genehmigung besichtigt werden oder sind nur an bestimmten Wochentagen für Besucher geöffnet. Andere Bauten werden möglicherweise kommerziell genutzt, weshalb Sie für die Besichtigung und das Fotografi eren eventuell um eine Erlaubnis bitten müssen. Gleiches gilt eventuell für Bauten, an denen zurzeit Restaurationsarbeiten durchgeführt werden.
- Die meisten von Sinans Moscheen werden noch heute für den Gottesdienst genutzt. Daher sollten Sie insbesondere dann, wenn Ihr Besuch in die Gebetszeiten fällt, bei der Besichtigung und dem Fotografi eren bestimmte Verhaltensregeln beachten.