Sinan Route 1 Uskudar Und Blaue Moschee

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BLAUE MOSCHEE: Blaue Moschee (Sultan Ahmed Moschee) - Topkapı- Palast - Kammer Murat III. - Soğukkuyu Medresse - Hagia Sophia (Minarette - Türbe Selim II.) - Haseki Hürrem Sultan Hamam - Sokollu Mehmed Pascha Moschee und Medresse

Unsere Sinan-Route in Üsküdar ist die kürzeste und zeitlich am schnellsten zu bewältigende Route. Deshalb können Sie diese Route auch mit der Blaue-Moschee-Route kombinieren. Wenn Sie mit dem Boğazdampfer nach Üsküdar gekommen sind, können Sie ohne Mühe die in der Nähe der Anlegestelle gelegenen Bauten Sinans erkennen. Sie sind die ersten Stationen auf dieser Route. Sollten Sie aber vorhaben, die Üsküdar-Route mit der Blaue-Moschee-Route zu kombinieren, sollten Sie als erste Station die Nurbanu Valide Atik Külliye (1A) (erbaut 1570/1583) besuchen, die auf einem der Hügel Üsküdars erbaut wurde.

Sinans andere Werke in Üsküdar liegen etwas weiter entfernt. Da zum Besuch der Nurbanu Valide Atik Külliye ein gewisser Höhenunterschied zu überwinden ist, empfehlen wir, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Flächenmässig ist die der Moschee angegliederte Külliye die grösste İstanbuls. Diese wurde zuvor nur Valide Sultan Külliye (Külliye der Sultansmutter) genannt. Nachdem aber die Sultansmutter Gümüş zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Üsküdar eine neue Külliye errichten liess, erhielt die nun ältere Külliye den Beinamen „atik“, was auf osmanisch-arabisch „alt“ bedeutet.

Die Külliye wurde den topologischen Gegebenheiten entsprechend in einer Terrassenbauweise errichtet und umfasst eine Hochschule, ein Derwischkloster, eine Grundschule, eine Hadith-Schule, eine Koranschule, eine Armenküche, ein Krankenhaus und einen Hamam. Die gesamte Külliye stammt aus der Feder Sinans. Obwohl die einzelnen Bauten der Külliye eng beieinander stehen, sind sie heute teilweise durch Strassen voneinander getrennt.

In der Moschee, die bei dieser Art von Komplexen das Zentrum der Anlage darstellt, unbedingt sehenswert sind insbesondere die aus Marmor gearbeitete Kanzel (Minber), die mit Fayencen geschmückte Gebetsnische (Mihrab), die aufwendigen Kalligraphien, welche die gesamte Kuppel überziehen, sowie die mit Intarsien aus Perlmutt verzierten Türen. Verlässt man die Moschee, ist gleich gegenüber die leicht in Mitleidenschaft geratene Koranschule als einzelnes Gebäude zu sehen, das auch von aussen seine architektonischen Eigenheiten offenbart. Gegenüber des nordöstlichen Ausgangs der Moschee befi ndet sich ein Bereich, in dem heute das Museum für traditionelle Dekoration untergebracht ist.

In diesem einst als Derwischloge genutzten, aus Kammern für die Derwische bestehenden Gebäude werden heute traditionelle Handarbeiten gelehrt, hergestellt und feilgeboten. Von Zeit zu Zeit werden hier auch kulturelle Veranstaltungen durchgeführt. Hier können Sie Beispiele aus der alten Kunst der Buchverzierung (Tezhib) und traditionelles marmoriertes Papier (Ebru) erwerben. Im Westen dieser beiden Gebäude befi nden sich – wegen der örtlichen Topologie etwas tiefer gelegen - das Krankenhaus und die Armenküche. Da dieser Bereich über die Jahrhunderte zahlreichen Zwecken, ja sogar als Gefängnis, diente, hat es seinen authentischen Charakter weitgehend verloren. Da es sich auf einem Gelände der Marmara-Universität befi ndet, ist zur Besichtigung und zum Fotografi eren des Gebäudes eine Erlaubnis nötig.

Wenn Sie von hier aus wieder den Weg in Richtung Anlegestelle einschlagen, können Sie einige Bauwerke Sinans besuchen, die nahe beieinander stehen. Das erste dieser Gebäude ist die Mihrimah Sultan Moschee (1B) (erbaut 1547/48), die wegen ihrer Nähe zur Anlegestelle im Volksmund auch İskele-Moschee (iskele = Anlegestelle) genannt wird. Die Stifterin der Moschee, Mihrimah Sultan, war eine Tochter Süleyman des Prächtigen.

Dieses Gebäude ist von besonderer Bedeutung, weil es sich dabei um ein Bauwerk aus Sinans früher Zeit als Oberster Hofbaumeister handelt – aus jener Zeit also, in der sich sein kreatives Genie und seine Liebe für das Neue zu entfalten begann. Während Sinan die Prinzenmoschee mit vier Halbkuppeln ausstattete, hat er hier eine Variante ausprobiert, bei der die Hauptkuppel von nur drei Halbkuppeln umgeben ist.

Allerdings blieb sie die einzige Moschee dieser Art. Die auf den Boğaz ausgerichtete Fassade ist ein weiteres Element der Schönheit dieser Moschee. Ein Moscheebrunnen im Hof der Moschee, dessen Dach eine Einheit mit dem Gebetsvorraum bildet, zählt zu den schönsten Bauten İstanbuls dieser Art. Die aufwendig gearbeitete Kanzel der Moschee ist ebenfalls unbedingt sehenswert. Verlässt man diese Moschee auf der Strasse Richtung Süden, trifft man gleich auf ein weiteres Gebäude von Sinan.

Der heute als Sinan Basar (Mimar Sinan Çarşısı) (1C) bekannte zweifache Hamam wurde von Nurbanu Sultan, der Mutter des Sultans Murad III., in Auftrag gegeben. Er ist der letzte von Sinan erbaute Hamam und daher von besonderer Bedeutung. Während Jahrhunderten handelte es sich bei diesem Gebäude um das wichtigste türkische Bad des Handelsviertels. Nachdem es geschlossen wurde, funktionierte man die ehemaligen Dampfkammern zu Ladengeschäften um und führte das Gebäude so einer neuen Nutzung zu.

Die aus der Feder Sinans stammenden Moscheen in Üsküdar sind so eng wie nirgendwo sonst mit dem Meer verbunden. Eines der schönsten Beispiele dafür stellt die am südlichen Ende der Anlegestelle gelegene Schemsi Pascha Külliye (1D) dar. Dieser Komplex wurde derart nah am Meer erbaut, dass Sie beobachten können, wie die Wellen gegen die Moscheemauern branden. Das macht diese Anlage einzigartig: Sie zeigt eine perfekte Harmonie zwischen Natur und Architektur. Wegen der räumlichen Enge musste Sinan das Gebäude gezwungenermassen auf einer äusserst kleinen Fläche unterbringen.

Die geringen Dimensionen von Moschee und Hochschule zeigen Sinans aussergewöhnlicher Kunstfertigkeit. Die Standorte seiner Bauwerke wählte er stets besonderes sorgfältig aus und passte die Planung den örtlichen Gegebenheiten und der Umgebung an. Um bei diesem Bauwerk das Meer in die Erscheinung der Moschee zu integrieren, liess er die Fundamente des Gebäudes im Wasser errichten. Es bleibt noch anzumerken, dass die Schönheit dieses Ortes, von dem aus man einen wunderschöner Sonnenuntergang mit der Aussicht auf die historische Palasthalbinsel und den gesamten Boğaz betrachten kann, unmöglich in Worte zu fassen ist.

Daher empfehlen wir Ihnen, sollten Sie vorhaben, ihren Tag mit der Üsküdar-Route ausklingen zu lassen, dieses Bauwerk als letztes zu besuchen und sich diese Augenweide nicht entgehen zu lassen. Von Üsküdar aus gelangen Sie am besten per Schnellboot nach Eminönü. Die sich hier bietende Aussicht steht der beschriebenen in nichts nach. Der auf einer kleinen Insel mitten auf dem Boğaz errichtete, sagenumwobene Kız Kulesi (Leanderturm), der mit dem Panorama İstanbuls eins wird, und die historischen Häuser auf den Bergrücken von Salacak lassen uns mit ihrer Schönheit für einen Moment vergessen, dass wir uns eigentlich auf einer Reise auf den Spuren Sinans befinden.

Blaue-Moschee-Route: Die als Blaue Moschee bekannte Sultan Ahmed Moschee ist ein Muss für jeden Besucher İstanbuls. Wenn man bedenkt, dass sich das eigentliche Machtzentrum des byzantinischen Reiches auf dieser geschichtsträchtigen Halbinsel befand, versteht man, in was für eine grosse Zeitspanne die hier gelegenen Bauten einzuordnen sind. Diese Halbinsel war Zeugin bedeutender Ereignisse, welche die Vergangenheit massgeblich beeinfl ussten, sowie zahlreicher Paraden, die Macht und Prunk des Reiches vor Augen führten. Jeder einzelne Stein hier könnte tausende von Geschichten erzählen.

Auf unserer Reise durch İstanbul auf den Spuren Sinans treffen wir hier auf einige der bedeutendsten Bauten der Weltarchitektur. Unsere erste Station auf der Blaue-Moschee-Route ist der Topkapı-Palast (1E). Dieser Palast, der über Jahrhunderte als Sultanssitz diente, birgt unendlich viele Elemente unübertroffener Ästhetik. Die Bedeutung des Topkapı-Palasts für Sinans Architektur liegt in der im Harem-Bereich gelegenen Sultanskammer Sultan Murad III. begründet, dem einzigen Beispiel einer Palastarchitektur aus der Feder Sinans. Der Frauen, Eunuchen und minderjährigen Familienmitgliedern des Sultans vorbehaltene, Harem genannte intime Bereich des Topkapı-Palasts wurde durch die Gepfl ogenheit der Sultane, eigene Kammern hinzuzufügen, zu einem über die Jahrhunderte gewachsenen Komplex.

Sultan Murad III. wandte sich, dieser Tradition folgend, an Sinan, damit dieser ihm eine Kammer errichten möge. Diese mit den schönsten Fayencen aus Iznik geschmückte Herrscherkammer ist Beleg dafür, dass der für seine monumentalen Bauten bekannte Sinan es genauso meisterhaft verstand, in einem kleinen privaten Raum eine angemessene Atmosphäre zu schaffen. Die gleiche Professionalität kann man an solch profanen Einrichtungen wie dem Küchentrakt erkennen, der mit seinen Schornsteinen einer Fabrik ähnelt. Sinan restaurierte diesen im 15. Jahrhundert entstandenen Bereich - auch ein Teil des Palastes datiert aus dieser Zeit - und passte ihn den damaligen Anforderungen an.

Nachdem wir unseren Rundgang durch den Topkapı-Palast beendet haben, können wir unsere Reise mit der Strassenbahn fortsetzen. Wir können diese historische Halbinsel, wo an jeder Ecke die Spuren tausendjähriger Geschichte zu entdecken sind, aber auch zu Fuss weiter erkunden. Ohnehin liegen die Bauwerke Sinans in diesem Bereich recht nahe beieinander. Bevor wir uns zu unserer nächsten Station, dem Hagia-Sophia-Museum, begeben, können wir in der ihr vorgelagerten Caferiye-Strasse die Cafer Ağa Medresse (1F) (erbaut 1559) bewundern. Dieses einstige Hochschulgebäude, das nahezu in seinem ursprünglichen Zustand erhalten blieb, wird heute als Zentrum für Handarbeiten genutzt. Den Rundgang durch das Gebäude kann man dazu nutzen, ein Auge auf die traditionellen Handarbeitskünste zu werfen oder sich im Bistro im Innenhof zu stärken.

Der Beitrag Sinans für das Stadtbild İstanbuls beschränkt sich nicht nur auf seine Bauwerke. Er hat auch bedeutende Anstrengungen unternommen, Bauten aus weiter zurückliegenden Zeiten für die Nachwelt zu erhalten. Besonders erwähnenswert sind die Massnahmen, die Sinan zur Erhaltung des nächsten auf unserer Route gelegenen Bauwerks, der Hagia Sophia (1G), traf. An diesem Gebäude führte Sinan zahlreiche Reparaturen und Restaurationen durch, wodurch er wohl massgeblich zu dessen Erhalt bis zum heutigen Tage beitrug.

Unter den Reparaturen und Ergänzungen sind insbesondere die Instandsetzung der zentralen Kuppel und die Verstärkung der Mauern zu nennen, die unter ihrer Last einzustürzen drohten. Während dieser Reparaturen wurden dem Gotteshaus auch die beiden nördlichen Minarette hinzugefügt. Die perfekte Integration dieser Minarette in das harmonische Gesamtbild ist ein weiterer Beleg für die Kunst Sinans und den Respekt, den er früheren Baumeistern zollte. Um die Minarette derart harmonisch in das Gesamtbild einzufügen, musste er die bis damals angewandte klassische Minarettbauweise in ihren Proportionen und Details neu interpretieren.

Die für ein Grabmal überaus monumental wirkende Türbe Selim II. (erbaut 1577) ist ebenfalls ein Werk Sinans. Die meisten osmanischen Sultane liessen ihre Grabmäler in den Innenhöfen der ihren Namen tragenden Moscheen errichten. Die Selimiye Moschee, die Selim II. erbauen liess, befand sich indes fern der Hauptstadt in Edirne. Daher erachtete er es als angemessen, sein Grabmal in der Hagia Sophia zu errichten - zumal er zur Erhaltung und Instandsetzung dieses Sakralbaus aus byzantinischer Zeit besonders viel beigetragen hatte. In der Türbe sind neben dem Sultan auch seine Gemahlin Nurbanu und weitere 41 Personen aus seiner Familie bestattet. Auf dem Fussweg von der Hagia Sofi a zur Blaue Moschee genannten Sultan Ahmed Moschee entdecken wir zwischen diesen beiden monumentalen Bauten den Haseki Hürrem Hamam (1H) (erbaut 1556/7).

Er ist der eine der beiden historischen Hamams in İstanbul, die in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind. Dieser Hamam erbaute Sinan im Auftrag der Roxelane, die als Gattin des wohl bekanntesten osmanischen Sultans, Süleyman dem Prächtigen, den Namen Hürrem erhielt. Wenn Sie dieses historische Bauwerk über den Atmeydanı-Platz verlassen, wo sich zu Zeiten Byzanz’ das Hippodrom befand, sehen Sie zur Linken die Sultan Ahmed Moschee, die zwar nicht von Sinan, doch von seinem Schüler Sedefkâr Mehmed Ağa erbaut wurde. Wenn man bedenkt, dass das weltberühmte Taj Mahal in Indien ebenfalls von einem Schüler Sinans, nämlich von Mehmet İsa Efendi, erbaut wurde, versteht man, wie sich das Erbe dieses beispiellosen Baumeisters in alle vier Himmelsrichtungen weltweit verbreitet hat.

In der abschüssigen Kadırga-Strasse, die vom Atmeydanı-Platz wegführt, treffen wir auf eine Moschee, die im Auftrag des bekannten Grosswesirs Sokollu Mehmed Pascha (1I) (erbaut 1571/1572) errichtet wurde. Trotz ihrer verhältnismässig kleinen Ausmasse zählt sie nicht nur zu den eindrucksvollsten Moscheen aus der Feder Sinans, sondern auch ganz İstanbuls. Die weltberühmten Fayenceplatten, mit denen diese Moschee ausgeschmückt wurde, und die aufwendige Gebetsnische sind unbedingt sehenswert. Mit dem Besuch dieser Moschee endet unsere Blaue-Moschee-Route.

WAS SIE VOR ANTRITT DER SİNAN REISE BEACHTEN SOLLTEN
- Einige der Werke Sinans in İstanbul sind aufgrund ihrer exponierten Lage leicht zu fi nden. Sie können jedoch unter Umständen Schwierigkeiten haben, die in den engen Gassen besonders stark bebauter Stadtteile gelegenen Bauwerke zu finden. Deshalb kann ein ortskundiger Führer von Vorteil sein.
- Die von uns ausgearbeiteten Routen sind so gestaltet, dass sie jene Werke Sinans umfassen, die sich in einem bestimmten Umkreis befi nden. Diese Gebäude stehen nicht selten unmittelbar neben anderen bedeutenden Bauwerken aus byzantinischer und osmanischer Zeit, die zwar nicht von Sinan dem Baumeister errichtet wurden, die Sie möglicherweise aber dennoch besuchen wollen. In diesem Fall kann es erforderlich sein, die Stationen der Route auf mehrere Tage aufzuteilen.
- Einige von Sinans Bauwerken, darunter insbesondere die Türben, können nur mit besonderer Genehmigung besichtigt werden oder sind nur an bestimmten Wochentagen für Besucher geöffnet. Andere Bauten werden möglicherweise kommerziell genutzt, weshalb Sie für die Besichtigung und das Fotografi eren eventuell um eine Erlaubnis bitten müssen. Gleiches gilt eventuell für Bauten, an denen zurzeit Restaurationsarbeiten durchgeführt werden.
- Die meisten von Sinans Moscheen werden noch heute für den Gottesdienst genutzt. Daher sollten Sie insbesondere dann, wenn Ihr Besuch in die Gebetszeiten fällt, bei der Besichtigung und dem Fotografi eren bestimmte Verhaltensregeln beachten.