Ein Land Mit Vielen Glaubensrichtungen

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Da seit 11'500 Jahren eine Kultur auf die andere folgte, haben alle auch ihr religiöses Erbe hinterlassen, und nun existieren, nach der monotheistischen Vorherrschaft Anatoliens, der Islam, das Christentum und das Judentum friedlich nebeneinander.

BESUCHER der Türkei sind beeindruckt von der Fülle und der Vielfalt religiöser Gebäude und antiker Heiligtümer. Es gibt Tempel, die den antiken Göttern geweiht sind, Kirchen zahlreicher Glaubensrichtungen, Synagogen und selbstverständlich Moscheen. Da seit 11‘500 Jahren eine Kultur auf die andere folgte, haben alle auch ihr religiöses Erbe hinterlassen, und nun existieren, nach der monotheistischen Vorherrschaft Anatoliens, der Islam, das Christentum und das Judentum friedlich nebeneinander.

Die Hattier, die Hethiter, die Hurriter, die Urartäer, die Ionier, die Lyder und die Phryger besassen reiche Mythologien. Die altgriechische Mythologie begann mit der Illias, dem Epos von Homer, der selbst ein Kind Anatoliens war. Homer wurde stark von der kulturellen Umgebung seiner Heimat beeinflusst, vor allem durch das Erbe der mesopotamischen Kultur.

Die Türkei ist das Land, in dem der erste christliche Staat, das Byzantinische Reich, gegründet wurde.

Das Reich hatte während 1‘000 Jahren Bestand. In diesem Land entstand auch ein grosses islamisches Reich, das schliesslich nicht nur die Türken, sondern fast alle Araber umfasste. Ausserdem war Anatolien die erste Heimat der Christen, und hier wurde das Christentum nicht länger als eine jüdische Religion betrachtet. Die Jungfrau Maria und der Apostel Johannes sind angeblich in Ephesos gestorben.

Selimiye-Moschee

In Antakya (Antiochia) wurden die Jünger Christi zum ersten Mal als Christen bezeichnet. Zudem ist es das Land der Sieben Kirchen der Offenbarung des Johannes, und hier fanden die ersten sieben Konzile statt. Das Christentum liess sich in Anatolien nieder und breitet sich von hier weiter aus, wo es eine historisch bedingte, sehr dichte religiöse und spirituelle Lebensweise vorfand. Die Bevölkerung nahm die neue Religion, die von den Heiligen Paulus, Barnabas, Silas und Timotheus gepredigt wurde, schnell an.

Die Kirche von Ephesos wurde im Jahr 54 nach Christus gegründet. Im 2. Jahrhundert gab es bereits zwei Diözesen, eine in Kayseri und eine in Malatya. Kappadokien war, schon lange bevor Kaiser Konstantin das Christentum als Religion anerkannte, ein christliches Land. Als sich das Mönchswesen rasant verbreitete, fanden alle, die Schutz suchten oder vor Verfolgung flüchteten, Trost in dieser fantastischen Landschaft und siedelten in den natürlichen Höhlen der Region.

Selimiye-Moschee

Später wurde Anatolien zum Zentrum der religiösen Kirchenspaltung, die die frühen Jahrhunderte des Christentums, vor allem aber die grossen theologischen Diskussionen über die Beziehung zwischen den einzelnen Komponenten der Dreieinigkeit und über die Wiedergeburt prägte. Bevor die Türken Zentralasiens, wo sich auch ihre Wurzeln befinden, den Islam annahmen, folgten sie dem Schamanismus.

Sie begegneten dem Islam an den Grenzen Zentralasiens und übernahmen die Religion im 10. Jahrhundert. Da dieser Religionswechsel freiwillig erfolgte, hatten die Türken nie das Gefühl, unterdrückt zu werden. Als das Osmanische Reich seine Macht gefestigt hatte, widmete es sich der Förderung des islamischen Glaubens und seiner Werte, obwohl über Jahrhunderte hinweg Menschen unterschiedlicher Religionen und verschiedener ethnischer Gruppen friedlich und gemeinschaftlich miteinander in Anatolien lebten.

Neve-Shalom-Synagoge

Wie in der Zeit der Osmanen wird auch heute die Religionsfreiheit überall in der Türkischen Republik anerkannt. Auch wenn die Mehrheit der Türken tief mit dem islamischen Glauben und seinen Traditionen verbunden ist, leben sie friedlich und in Harmonie mit ihren Mitbürgern anderen Glaubens, insbesondere Christen und Juden, zusammen – ein Erbe der jahrhundertealten Vielfalt der Türkei.

Dank des jahrhundertelangen, friedlichen Miteinanders unterschiedlicher ethnischer und religiöser Gruppen werden heute die christlichen und jüdischen Heiligtümer im Rahmen der islamischen Tradition der Toleranz erhalten und respektiert. Heute gibt es in der Türkei mehr als 5‘000 muslimische, christliche und jüdische heilige Stätten.

Sultan-Ahmet-Moschee

Da das Land in seiner langen Geschichte Menschen unterschiedlicher Kulturen und Glaubensrichtungen miteinbezog, wurden zahlreiche dieser Heiligtümer liebevoll restauriert; alle stehen unter staatlichem Schutz.

Dank des jahrhundertelangen, friedlichen Miteinanders unterschiedlicher ethnischer und religiöser Gruppen werden heute die christlichen und jüdischen Heiligtümer im Rahmen der islamischen Tradition der Toleranz erhalten und respektiert.