Die Traditionelle Turkische Stadt

die-traditionelle-turkische-stadt

DIE traditionelle türkische Stadt liegt typischerweise an einer historischen Handelsroute, hauptsächlich an der Seiden- oder Gewürzstrasse. Sie wurde auf einem Stück Land errichtet, das sich zum Feldanbau nicht eignete.

Die Städte spiegeln einzigartige einheimische Architekturstile wider, die von den regionalen Bedingungen und der anspruchsvollen städtischen Bautradition beeinflusst sind.

Auch wenn jede Stadt ihren eigenen Charakter besitzt, so verfügen doch alle über eine Zitadelle, mindestens über einen grossen Moschee-Komplex mit Religionsschulen und Wohlfahrtseinrichtungen, einen traditionellen Platz im Sinne des westlichen Marktplatzes, mehrere alte Badehäuser, traditionelle Gilden-Passagen, die über den Basar hinausgehen, sowie reine Wohnviertel, unter denen wunderschöne Beispiele traditioneller türkischer Häuser zu finden sind, die sich oftmals um einen Innenhof gruppieren.

Auf schattigen Plätzen sitzen die Männer der Stadt an den Tischen der Kaffeehäuser, trinken einen Kaffee oder Tee, spielen Tavla (Backgammon) und diskutieren mit ihren Freunden und Nachbarn die Themen des Tages. Es heisst, dass sowohl der Kaffee als auch die Kaffeehäuser zu den vielen Errungenschaften gehören, die die Türken schufen, um das Leben lebenswert zu machen. Die Säcke mit Kaffeebohnen, die die osmanische Armee im 16. Jahrhundert vor den Toren Wiens zurückliess, brachten das süchtig machende Gebräu in den Westen und machten die Cafés von Wien weltberühmt.

In diesen Städten entwickelten sich ein gehobener Stil und die einheimische Kultur Seite an Seite. So entstanden die besten Beispiele türkischer Architektur und Höhepunkte der Folklore, der traditionellen Kunst und Handwerkskunst, der Gebräuche und Speisen.

Diese Städte waren die Heimat der Volkshelden wie Köroğlu und des Dichters Yunus Emre, dessen einfache Verse grundlegende Ideen der Menschlichkeit bieten. Auch der bekannte Nasrettin Hodja, die personifizierte Volksweisheit mit seinen humorvollen Anekdoten, die noch heute häufig zitiert und belacht werden, lebte in einer solchen Stadt. Die volkstümliche Theatertradition mit ihren Komödianten, Geschichtenerzählern, Marionetten und Schattenfiguren entwickelte sich in den Provinzstädten.

amasra

Aufführungen fanden anlässlich nationaler und religiöser Feierlichkeiten auf den öffentlichen Plätzen, bei Hochzeiten und an Markttagen, aber auch in Kneipen, Kaffeehäusern und in privaten Wohnhäusern statt. Musik, sogar Ringkämpfe begleiteten die Darstellungen; die Musik wurde von Künstlern auf dem Tamburin gespielt.

Oftmals flossen bei den Aufführungen auch Lieder und Tänze, oder auch beides, mit ein. Das dramatische Moment der Türken und die Rolle, die es im alltäglichen Leben spielt, geht auf die türkische Commedia dell‘arte und das Schattentheater von Karagöz aus dem 15. Jahrhundert zurück. Schauspieler zeigten aus dem Stegreif humorvolle Stücke, wo immer sich ein Publikum fand.

Sie spielten Wachmänner, Steuereintreiber, Schatzsucher, die intellektuelle Elite, die auf das gemeine Volk trifft, und verwiesen auf die Eigenheiten ethnischer Gruppen. Damit trugen sie auf ihre Art zu einem friedlichen Zusammenleben bei. Jede Region in der Türkei, ja gar jedes Dorf hat seine eigenen Volkstänze. Insgesamt sind es landesweit mehr als 1‘500. Volkstänze thematisieren die Grösse der Natur, die Tiere, den Alltag, das Umwerben von Liebenden und den Kampf.

Sie spielen im Leben der Dorfbewohner auch weiterhin eine wichtige Rolle. Ihre ausgefeilte Choreografie und ihre universelle Bedeutung sind eine unerschöpfliche Quelle für künstlerische Energien.

amasra

In den türkischen Provinzstädten werden die religiösen Feiertage, die Bayrams, noch heute auf traditionelle Art und Weise begangen. Nach den Besuchen und Begrüssungen anlässlich der Feiertage tanzen die Stadtältesten die Volkstänze. Dabei werden sie auf traditionellen Volksinstrumenten begleitet. «Öl- Ringkämpfe» werden von Trommeln und Pfeifen untermalt.

An Feiertagen und bei Familienfeiern, etwa der Beschneidungszeremonie, werden oftmals Puppenspiele von Karagöz aufgeführt.

Die traditionellen, Türkischen Städte, die auf unvorteilhafte Gebiete für Bewirtschaftung gebaut wurden, spiegeln einzigartige einheimische Architekturstile wider, die von den regionalen Bedingungen ebenso wie der kultivierten, anspruchsvollen städtischen Bautradition beeinflusst sind.