Didim Der Apollo Temple

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Didim, das antike Didyma, war in der Geschichte keine eigenständige Stadt, sondern vielmehr ein der Stadt Milet angeschlossenes Heiligtum und gleichzeitig Standort eines der wichtigsten Orakel der Antike. Daher wurde Didyma auch als „Stadt der Propheten“ bezeichnet.

Hierher kamen Menschen, die über Geschehnisse in der Zukunft Gewissheit erlangen wollten, von weit her, um das Orakel zu befragen. Die Besucher des Tempels, der Apollo, dem Gott der Sonne, der Musik, der Kunst und eben auch der Prophezeiung, geweiht war, versuchten hier, Hinweise auf ihr Schicksal zu erhalten. Dem Gründungsmythos des Apollo-Tempels zufolge offenbarte Apollo einem Hirten namens Branchos das Geheimnis der Wahrsagung, woraufhin dessen Nachfahren, die Branchiden, diesen Tempel im 8. Jahrhundert v. Chr. zu Ehren Apollos errichten liessen, um fortan als Hohepriester und Hüter des Tempels zu wirken.

Mit der Zeit erlangte der Tempel wegen der tatsächlich eintretenden Prophezeiungen einen immer grösseren Ruhm; er wurde zu einem Ort, zu dem sogar bedeutende Staatsmänner aus entfernten Ländern vor einer wichtiger Entscheidung reisten. Hier liessen sie sich beispielsweise über den Ausgang einer bevorstehenden Schlacht oder die Entscheidung für einen Krieg beraten.

Der Tempel wurde 494 v. Chr. in einer Strafaktion gegen die Ionier von den Perser zerstört. Sein Wiederaufbau – der Tempel sollte nun noch prächtiger werden − begann mit dem Durchzug Alexanders des Grossen, der ausgezogen war, um die Welt zu erobern, und auf seinen Feldzügen auch die Perser besiegte. Auf Befehl von Seleukos, einem Feldherren Alexanders, wurde im Jahre 300 v. Chr. mit dem Wiederaufbau des Tempels begonnen.

Er nahm viele Jahre in Anspruch und führte mit den ständigen Erweiterungen zu einem besonders grossen Bauwerk. Wegen der Verbreitung des Christentums in Kleinasien wurde der Bau aber nie ganz fertig gestellt: Zum einen vertrug sich die Vielgötterei nicht mit dem monotheistischen Christentum, zum andern wurden Orakel und Wahrsagerei im Christentum verboten und gar unter strenge Strafe gestellt.

Der Tempel, welcher der neuen Religion in vielerlei Hinsicht zuwiderlief, wurde allmählich seinem Schicksal überlassen, bis ihn schliesslich auch die wahrsagenden Priester verliessen. Verschiedene Erdbeben, deren stärkstes im 14. Jahrhundert wütete, haben ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Dennoch ist die Pracht von einst auch heute noch deutlich zu erkennen. Von diesem drittgrössten Tempel der Antike sind heute nur noch einige Säulen unversehrt erhalten. Ursprünglich war das Gebäude ein beeindruckendes Bauwerk mit insgesamt 124 Säulen, die zwei Reihen bildeten und eine Höhe von 20 Meter erreichten.

Nicht allein durch seinen besonderen Grundriss unterscheidet sich dieser Tempel von anderen bekannten Apollo-Tempeln der Antike, auch die aufwendigen Verzierungen, die bis heute erhalten geblieben sind, sowie die seit Jahrhunderten aufrecht stehenden Säulen machen deutlich, mit welchem Aufwand und welcher Pracht der Tempel einst erbaut wurde.

Die damaligen Besucher des Tempels, die mit dem Schiff anreisten, gingen im Hafen von Panormos, der heute bei Mavişehir liegt, an Land und folgten dann der zum Tempel führenden Prunkstrasse. Die beidseits dieser Strasse aufgestellten Statuen wurden grösstenteils im 19. Jahrhundert von ihren ursprünglichen Standorten entfernt und sind heute im British Museum in London ausgestellt.

Ein Teil dieser Skulpturen kann aber immer noch an Ort und Stelle besichtigt werden. Neben dem Tempel können Sie hier auch ein Haupt der Medusa bewundern, das sich zu einem Wahrzeichen Didims entwickelt hat.

Wer aus dem Norden kommend über Land nach Didim reisen möchte und mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, kann sich zwischen zwei alternativen Routen entscheiden: Die erste Strecke über Aydın ist nicht so anstrengend und nicht so stark befahren, mit der zweiten Route können Sie auch noch Izmir besuchen. In allen grösseren Städten fi nden Sie insbesondere in den Sommermonaten ständig Busverbindungen nach Didim.